Ihr Suchbegriff
Gott ruft die Kaputten und Erschöpften
Bildquelle Pixabay

Gott ruft die Kaputten und Erschöpften

Christoph Wildfang
Ein Beitrag von

Christoph Wildfang,

Evangelischer Pfarrer, Arnoldshain

Auf einer Jugendfreizeit geht’s um das Abendprogramm. Im Fernsehen gibt es „Germany´s Next Topmodel“. Einige Mädchen wollen die Sendung unbedingt gucken. Danach können wir ja unser Programm machen, aber bitte. Wir müssen das schauen. Wir schauen das immer.

Heidi Klum und ihr Team helfen den jungen Frauen auf die Sprünge. Wie man geht, wie man sich bewegt und so. Gebannt schauen unsere Jugendlichen zu. Später werden sie versuchen, es ein wenig nachzumachen. Sich gut verkaufen können, gut schauspielern, so tun als ob, darum geht es wohl. Ich muss mich so präsentieren, dass ich andere beeindrucke. Ich muss bei der Leistungsschau mithalten, nein, besser noch, besser sein als die anderen. Ich soll lächeln, auch ein wenig gequält, aber feste durch mit zusammengebissenen Zähnen. Sicher meint Frau Klum das nicht so.

Ich kann das natürlich nicht wirklich beurteilen. Ich schaue die Sendung, betrachte die Jugendlichen. Sage nichts Schlechtes. Aber ich denke: Bei Jesus ist das ganz anders. Ich muss meine Schwäche nicht verbergen, mich nicht verstellen. Ich kann sogar meine Schwächen zugeben. Ich bin von Gott eingeladen, ich kann kommen wie ich will. Es heißt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch Ruhe geben.“ (Matthäus 11,28)

Ich fühle mich angesprochen, so wie ich wirklich bin. Manchmal hilflos. Manchmal ängstlich. Ab und zu erfolglos und schwach. Ab und zu mühe ich mich ab. Dieses Jesuswort an die Mühseligen zieht mich an. Ich kann bei Gott loslassen und loswerden, was mich niederdrückt. Ich kann verstanden werden. Ich werde nicht verurteilt, nicht bewertet und erst recht nicht mit einem coolen Spruch verächtlich abgestraft.

Ich finde, auch wenn ich schwach bin, doch immer wieder durch Gottes Einladung an Mühselige und Beladene neue Kraft zum Leben. Und Gelassenheit, mich so anzunehmen, wie ich eben bin. Daran glaube ich.

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren