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Gerechtigkeit
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Gerechtigkeit

Dr. Joachim Schmidt
Ein Beitrag von

Dr. Joachim Schmidt,

Evangelischer Pfarrer, Darmstadt

Es war ein großes Thema im zurückliegenden Bundestagswahlkampf: Das Thema Gerechtigkeit. Bei den Lebensverhältnissen, bei den Arbeitsbedingungen, bei der Entlohnung. Aber was ist Gerechtigkeit? Die Frage wird meist mit einem Blick von unten nach oben gestellt: Die da oben sollen Gerechtigkeit herstellen, die Chefs, die Mächtigen, oder gleich Gott persönlich.

Gerechtigkeit ist eine Frage der Macht. Die Kleinen sind doch bloß ausgeliefert. Doch aus der Froschperspektive redet es sich einfach, da ist man bloß ein armes Opfer. Aber jeder weiß: In Sachen Gerechtigkeit können auch Opfer zu Tätern werden. Wer Gerechtigkeit nur fordert, ohne sie selbst zu üben, der denkt nicht nur zu kurz, er trägt auch dazu bei, dass die Kette der Ungerechtigkeiten sich weiter fortsetzt.

Jesus Christus hat diesen Mechanismus gut gekannt und mit den Gerechtigkeits-phantasien aus der Froschperspektive kurzen Prozess gemacht. Er erzählte die Ge-schichte von einem jungen Mann, der sein Erbe verschleuderte, und der, bankrott nach Hause zurückgekehrt, von seinem Vater mit einem großen Fest geehrt wurde – sehr zum Zorn des ehrenwerten Bruders. Jesus machte klar: Die Frage nach Gerechtigkeit ist nicht zu trennen von der Frage nach Vergebung und Versöhnung, wie sie der Vater in der Geschichte geübt hat.

In den Augen Gottes gibt es keine Gerechtigkeit, wenn man nicht erkennt: Jeder ist in die ungerechten Lebenszusammenhänge dieser Welt verstrickt. Nicht klagend-fordernde Unschuldslämmer werden die Gerechtigkeit voranbringen, sondern Menschen, die Verantwortung für ihr eigenes Tun übernehmen.

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