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16 Gemeinschaft ist Leben
Bild: Henning Westerkamp auf Pixabay

16 Gemeinschaft ist Leben

Christoph Hartmann
Ein Beitrag von

Christoph Hartmann,

Lehrer und Referent für Schulpastoral, Fulda
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Was ist ihnen wichtig? Wenn ich Schülerinnen und Schüler frage, was ihnen wichtig und wertvoll ist, rangieren auf den ersten beiden Plätzen immer Familie und Freunde. Dieses Ergebnis überrascht keineswegs. Denn wer trägt nicht die tiefe Sehnsucht nach Angenommensein, Halt, verstanden zu werden, Stabilität und gelingendem Leben im Herzen? Gerade Familie und Freunde verkörpern diese Sehnsucht. Hier kann ich mich auf andere verlassen und darf bedingungslos vertrauen. Ein Aspekt, der womöglich noch mehr die Familie als die Freundschaft kennzeichnet: Eltern stehen zu ihren Kindern, auch wenn sich alle von ihnen abgewendet haben. Sie bleiben eben Sohn oder Tochter.

Im Laufe des Lebens kommt für viele – neben Familie und Freundschaft – eine neue Form der Beziehung hinzu: der Partner fürs Leben. So werden junge Menschen schließlich selbst zu denjenigen, die anderen – ihren eigenen Kindern – wiederum Heimat, Angenommensein und Geborgenheit schenken. So sind Ehe, Familie und Freundschaft drei Beziehungsformen, denen eins gemein ist: Sie wollen gepflegt werden!
Was Pflege bedeutet, wird sehr schön am Beispiel eines Gartens deutlich. Bleibt die Pflege aus, verliert der Garten seine Schönheit. Unkraut gewinnt die Oberhand. Dies hat wiederum zur Folge, dass ich keine Freude mehr an meinem Garten habe. Mein bewundernder Blick fällt dann immer häufiger auf andere Gärten. Schließlich ist mein der Garten zugewachsen, Büsche, hohes Gras und Unkraut überwuchern ihn. Da helfen dann auch alle Schönheitsoperationen nichts mehr. Auch gut gemeinte Ratschläge von anderen kommen dann viel zu spät. Was oftmals bleibt ist nur noch ein Kahlschlag, ein Neuanfang! Alle Mühen der vergangenen Jahre sind dahin. Das alles (alles) sind keine schönen Aussichten. Also Vorsicht! Damit es erst gar nicht so weit kommt, gibt es zahlreiche Hilfsangebote: z. B. Gartenbücher, erfahrene Gärtner in der Nachbarschaft. Aber auch Zeitschriften und natürlich viele Internseiten bieten Tipps und Tricks rund um die Gartenpflege.

Vom  Beispiel des Gartens, nun wieder zurück zur menschlichen Beziehung. Ich behaupte wohl nicht zu viel, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise den Wunsch im Herzen trägt, dass seine Lebensbeziehungen gelingen. Ich muss auch kein Soziologe sein, um zu erkennen, dass der Mensch von Natur aus ein soziales Wesen ist. Er lebt von, mit und in Beziehungen. Selbst die Bibel drückt diese Erkenntnis mit folgenden Worten aus: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine ist.“ Das ist einleuchtend und schön! Aber schön reicht eben nicht! Wo die Beziehungspflege ausbleibt, stehen auch oft Beziehungen vor dem Aus. Gerade vor diesem Hintergrund, dass viele Beziehungen scheitern, stellt sich mir die Frage: Wie kann Beziehung gelingen?

  

Vorbilder. Gemeinschaft. Gott. In Bezug auf gelingende Beziehungen sind mir diese drei Dinge wichtig. Da sind zum einen Menschen, die mir in ihrer Lebensweise zum Vorbild geworden sind. Ihr wertschätzender, freundlicher und einfühlsamer Umgang mit anderen Menschen inspirieren inspiriert mich immer wieder. Ja, diese Menschen zeigen mir, dass ich noch nicht fertig bin. Und sie motivieren mich, dass ich anfange, an mir zu arbeiten. Auch wenn „arbeiten“ nicht in der Beliebtheitsskala ganz oben steht, ist es doch allerwichtigste Notwendigkeit. Eine gute Beziehung braucht eben Einsatzbereitschaft und Zeit. So wachse ich in meiner eigenen Persönlichkeit und Beziehungsfähigkeit. Denken sie an den Garten: einpflanzen – wachsen lassen – pflegen – ernten! Das braucht eben Arbeit und Zeit.
Wenn ich überlege, wie viel Zeit ich in so manche oftmals belanglosen Dinge, wie z.B. Computer oder Handy stecke, wäre es weitaus besser noch mehr Zeit und Arbeit in meine Beziehungsprojekte zu investieren. Eine solche Investition hat vor einigen Jahren eine Kollegin gemacht. Sie investierte in ihre Schülerinnen und Schüler  und machte ihnen ein Pausenangebot. Das Angebot bekam den kreativen Namen: „Ge-i-le“ Pause. Vom Wort her vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Aber sie hatte es verstanden. Denn hinter diesem Wort verbirgt sich die Überzeugung: Gemeinschaft ist Leben! Die Anfangsbuchstaben lieferten so den Namen für das Angebot. Ge i L .Gemeinschaft ist Leben.

Diese Gemeinschafts-Erfahrung machen junge Menschen oft in Vereinen, Jugendverbänden, auf Freizeiten oder in Jugendgruppen. Sie machen die Erfahrung, dass sie nicht alleine durchs Leben gehen müssen und, dass es Herausforderungen gibt, die sich in Gemeinschaft einfach besser lösen lassen. Auch die wichtigen Eigenschaften sich zurückzunehmen und sich einzubringen lassen sich so einüben! Gemeinschaft fördert und prägt Leben. Auch für Ehepartner und Familien gibt es wertvolle Angebote, die stark machen wollen! Zum Beispiel die weltweite Bewegung Marriage Encounter, die auf das fundamentale Bedürfnis jedes Menschen nach echter und tiefer Begegnung und Annahme eine Antwort zu geben versucht. Oder die Schönstatt Familienbewegung. Dort haben meine Frau und ich Heimat gefunden. Was wir an dieser Bewegung schätzen? Wir sind miteinander unterwegs. Teilen miteinander das Leben. Beten miteinander und füreinander. Das gibt uns Kraft und lässt uns zuversichtlich durchs Leben gehen. Zusammengefasst sage ich: Gemeinschaft unterstützt und stärkt Beziehungen. Ja, Gemeinschaft ist Leben.

 

Jetzt bleibt noch zu klären, was Gott mit gelingenden Beziehungen zu tun hat. Eine interessante Studie aus den USA hat vor gut zwei Jahren folgendes herausgefunden: Bei Paaren, die regelmäßig eine Messe, einen Gottesdienst besuchten, sank das Trennungsrisiko um 50 Prozent gegenüber weniger religiösen Verheirateten. Wie kommt es dazu, dass bei religiösen Menschen Beziehungen besser gelingen? Für Christen ist Gott an sich Beziehung. Wenn Christen von ihrem Gott reden, sprechen sie von ihm als Vater, Sohn und Heiligen Geist.  Diese göttliche Beziehungs-Eigenschaft war möglicherweise der Grund dafür, dass Gott den Menschen nach seinem Abbild schuf. Als Mann und Frau schuf er ihn, den Menschen. Somit wird nachvollziehbar, dass für Christen Gott, der Schöpfer, die Quelle allen Lebens ist und folgerichtig sie sich an ihm orientieren. Das geht auf verschiedene Weise. Ein Zugang ist für mich dabei die Bibel. In ihr begegne ich Gott. Auf jeder Seite dieses Buches verkoste ich Gottes Zusage an mich: Du bist gewollt und geliebt!

Aber ich weiß mich auch herausgefordert. Ich merke nämlich, dass ich u.a. in meiner Beziehungsfähigkeit angefragt werde. Wie gehe ich mit meinen eigenen Fehlern um? Wie gehe ich mit denen anderer um? Was erwarte ich von meiner Frau und anderen Menschen? Wie sieht es mit Vergebung aus? Bei zwei Bibelstellen sind mir diesbezüglich wichtig. Zum einen ist es die Goldene Regel: Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! (Mt 7,12) Wie schnell würde da doch so manche Lästerei, Besserwisserei und Streiterei verstummen, wenn jeder diese Anregung befolgen würde? Eine weitere Bibelstelle berichtet darüber, dass der Mensch oft den Splitter im Auge des anderen sieht, aber den Balken in seinem eigenen Auge nicht bemerkt. (Mt 7,3) Auch hier, wie schnell würde da so manche unangemessene Kritik verstummen und ein wohlwollender Umgang miteinander entstehen, wenn jeder diesen Gedanken verinnerlichen würde. Die Goldene Regel und dieses Bild vom Splitter und vom Balken bilden für mich das Fundament, auf dem Beziehungen überhaupt nur wachsen können. Wie schön und heilsam wäre es, wenn diese Gedanken in unseren Ehen, Familien und Freundschaften noch mehr ihre Umsetzung fänden! 
Die Umsetzung dieser Gedanken bleibt tägliche Aufgabe. Ich bemühe mich darum, meine Mitmenschen aus dieser biblischen Perspektive wahrzunehmen. Und an dieser Stelle kommt Gott für mich in einer weiteren konkreten Art und Weise ins Spiel. Ich werde persönlich und investiere in meine Beziehung zu Gott.  Wie das geht?  Ich verbringe Zeit mit Ihm – Christen nennen das Beten. Zum Beispiel setzte ich mich abends vor ein Kreuz und bringe meinen Tag vor Gott und sage ihm Dank für die kleinen und schönen Momente. Am Morgen lese ich die Bibel und verkoste die Gedanken, die mir geschenkt werden. Ich werde still vor Gott.

Viele Menschen in der Vergangenheit und Gegenwart schöpfen Kraft aus dieser göttlichen Beziehung. Gott ist es, der Beziehungen und damit Leben gelingen lässt. Deshalb mein Vorschlag: (Deshalb mein Vorschlag:) Investieren Sie in Ihre Beziehungen! Zu sich selbst, zu anderen und zu Gott. Der heutige Dreifaltigkeitssonntag lädt dazu ein. Ich wünsche Ihnen heute im doppelten Sinn eine Geile Pause – denn, Sie wissen ja jetzt, Gemeinschaft ist Leben.

 

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