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Ehre oder Würde
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Ehre oder Würde

Jens Haupt
Ein Beitrag von

Jens Haupt,

Evangelischer Diakoniepfarrer, Bad Hersfeld
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In manchen Kulturen spielt die Ehre eine große Rolle. Die Ehre der Familie ist ein hohes Gut. Man kann sie verletzen, wenn man gegen bestimmte Regeln verstößt oder einfach nur anders ist. Da reicht es, wenn ein Jugendlicher sich als Schwuler outet oder eine junge Frau ein uneheliches Kind bekommt. Du hast unsere Ehre beschmutzt! Das kann bis zum Mord führen. Ehrenmord ist ein schlimmes Wort dafür, denn es hat nichts mit Ehre zu tun und ist schlicht Mord. Auch in unserer Kultur gibt es die Ehre. Wir wollen ein ehrendes Andenken bewahren. Je nachdem sind es die einen oder die anderen, die damit geehrt werden sollen. Denkmäler werden dann schnell zu Ehrenmälern umbenannt. Und wehe, wenn man die Ehre in Frage stellt, wenn man Ehre verletzt. Dann wird beleidigt reagiert, gekränkt, verletzt. Wenn jemand von Ehre spricht, geht es um Abgrenzung. Die mit Ehre und die Ehrlosen. Das säht Zwietracht. Ehre lässt sich leicht benutzen und missbrauchen.  Christen haben es deshalb auf den Punkt gebracht: Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr. Und was bleibt uns Menschen? Die Würde. Menschenwürde. Ich schlage vor, dass wir, statt von Ehre und Ehrverletzung, von Würde sprechen. Unser Grundgesetz sagt:   Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Freilich, man kann auch Würde verletzen. Aber sie gehört mir nicht als etwas, das man mir wegnehmen oder beschmutzen kann. Würde ist mir verliehen. Sie ist nicht mein Besitz, sie ist unveräußerlich. Und es macht einen Unterschied, ob sich ein Mensch entehrt fühlt oder entwürdigend behandelt wird. Ehre ist sehr subjektiv. Ich kann immer behaupten, dass einer meine Ehre verletzt hat. Woher soll ich wissen, was dem anderen wert und wichtig ist? Die Würde dagegen ist für alle gleich. Zur Menschenwürde gehören die Menschenrechte und mit ihnen die menschliche Grundbedürfnisse: Nahrung, Wohnung, Sicherheit, Gesundheit und vieles mehr brauchen wir. Darin sich wir uns als Menschen gleich. Das ärgert Populisten und Nationalisten. Menschen sind Menschen und haben eine Würde. Für Christen bleibt es dabei: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.  Das ist auch ein Menschenrecht...

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