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Desiree oder wie Gott sich blicken lässt
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Desiree oder wie Gott sich blicken lässt

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Endlich eine gute Nachricht. Man verzweifelt ja manchmal am Menschen. Und dann - diese gute Nachricht, die eher schlecht beginnt.

Da ist Desiree, 15 Jahre alt. Sie tanzt gerne und gut, ist Cheerleaderin, eine Art Tänzerin vor dem Sportereignis. Und hat das Down-Syndrom, eine geistige Behinderung. Vor jedem Spiel zieht sie ihr Kleid an, nimmt die Glitzerbüschel in die Hand und legt los. Ohne Scheu. Vor hunderten Zuschauern. Vor zwei Wochen das Drama: Andere Kinder im Stadion zeigen mit Fingern auf sie, lachen sie aus. Nicht wie sie tanzt, sondern wie sie aussieht mit dem besonderen Gesicht durchs Down-Syndrom. Schlimm ist das. Desiree weint. Die anderen Mädchen aber hören sofort auf zu tanzen und rufen: Lasst Desiree in Ruhe. Jungs aus ihrer Klasse, die im Stadion sind, gehen zu den Spöttern und drohen ihnen. Mit dem gleichen Satz: Lasst unsere Desiree in Ruhe. Die gute Nachricht geht aber noch weiter. Das soll nie mehr passieren, sagen Schüler und Lehrer. Und beschließen, die eigene Sporthalle umzubenennen in: „Desirees Haus“ (Original: „D’s House“). Das Mädchen ist begeistert. Ihr Vater muss weinen. Und kann nicht sprechen bei der Taufe der Halle. Alle tanzen vor Freude.

Ein Mensch  muss  nicht böse sein, muss andere nicht schlecht machen. Ein Mensch muss nicht fremdes Eigentum anzünden oder über andere lästern. Ein Mensch, Sie oder ich, kann eines anderen Menschen Hoffnung sein. Als liege ein Geist in der Luft, der für andere einsteht. Besonders für die, die fremd aussehen. Deren Schwäche niemand ausnutzt. Davon leben wir. Von der Hoffnung darauf, dass Gott sich blicken lässt. In der Fürsorge eines anderen.

 

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