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Der Mensch ist fähig gutes zu tun und fähig zu furchtbaren Taten
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Der Mensch ist fähig gutes zu tun und fähig zu furchtbaren Taten

Ein Beitrag von

Helwig Wegner-Nord,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

Wie oft waren wir jetzt während der Fußball-EM, wenigstens durchs Fernsehen, zu Gast in französischen Städten. Im Stadion von Nizza wurde das legendäre Achtelfinalspiel ausgetragen, in dem Island gegen England gesiegt hat. Auch vorher schon haben viele die Hafenstadt an der französischen Côte d’Azur kennengelernt. Nizza ist nur eineinhalb Flugstunden von uns entfernt. Und wer mal dort gewesen ist, kennt die Hafenpromenade, auf der jetzt so viele Menschen getötet worden sind.

Wie viele solcher Nachrichten verkraften wir eigentlich? Wenn immer wieder von Anschlägen und Terror berichtet wird, von den vielen Toten und Verwundeten, stumpfen wir dann ab? Oder macht sich bei mir Hass breit? Vielleicht wächst in uns einfach auch schlicht die Angst.

Was ich von anderen Menschen erwarte und in ihnen sehe, verändert sich jedenfalls, verliert den Rest an naiver Gutgläubigkeit. Der Mensch ist fähig, Gutes zu tun. Dafür gibt es viele bewegende Beispiele. Aber Menschen sind auch in der Lage zu furchtbaren Taten. Sie können grausame Blutbäder anrichten, Menschen, auch Kinder, töten und so dem Hass, der offensichtlich in ihren Herzen sitzt, ungebremst Platz geben.

Ein uralte Erfahrung der Menschheit heißt, dass „das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend auf“. Mit diesen Worten steht es in der Bibel. (Genesis 8,21) Und was am späten Donnerstagabend in Nizza geschehen ist, scheint diese Sicht zu bestätigen. Aber: Ist das die ganze Wahrheit? Das ‚menschliche Herz‘ sehnt sich doch auch nach Liebe und Wärme, nach Trost und Frieden!

Es ist wohl kein Zufall, dass dieser furchtbare Massenmord Frankreich gerade am 14. Juli erschüttert, in dem Moment also, in dem das Land Gleichheit und Brüderlichkeit feiert. Gleichheit und Brüderlichkeit – es gibt sie noch lange nicht überall. Und in jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die fühlen, dass sie eben nicht wie Geschwister dazu gehören. Daraus kann Hass entstehen. Aber dieser Hass darf und muss nicht das letzte Wort sein. Wir müssen ihn überwinden – mit aller Anstrengung und mit Gottes Hilfe.

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