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Corona-Notfallsituation
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Corona-Notfallsituation

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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Dienstag ist bei mir Coronavirus-Update-Tag. Seit eineinhalb Jahren höre ich den Podcast des NDR mit Christian Drosten aus Berlin und Sandra Ciesek aus Frankfurt. Ich hatte das Bedürfnis nach vertrauenswürdigen Informationen in dieser Corona-Krise. Und bei den beiden hab ich den Eindruck: Ich bekomme sie. Ich weiß, Christian Drosten ist für einige Menschen ein rotes Tuch. Mir hat er geholfen, durch diese Zeit zu kommen. Ich wusste: Da kennt sich jemand richtig gut aus mit den Coronaviren, er forscht seit Jahrzehnten darüber. Er kann einschätzen, wie die Lage ist – und auch, was zu tun ist.

Das hatte ich nicht erwartet

Seine Einschätzung letzte Woche hat mich deshalb ziemlich erschreckt. Eine „echte Notfallsituation“ sieht Christian Drosten in den rasant steigenden Zahlen. Die meisten Maßnahmen, die jetzt vorgeschlagen werden, reichen nicht aus, sagt er. Das einzige, was hilft, ist: Impflücken schließen, vor allem bei der älteren Bevölkerung. Wenn das nicht gelingt, sieht er am Horizont neue Kontaktbeschränkungen und womöglich noch mal über 100.000 Tote. Auch im nächsten Frühjahr und Sommer werden wir das Virus dann nicht los sein. Als ich das letzte Woche gehört hab, ging meine Stimmung ganz schön runter. Noch mal einen richtig harten Corona-Winter – das hatte ich nicht erwartet. Irgendwie hatte ich gehofft, es bleibt bei dem halbwegs normalen Leben, das ich mittlerweile wieder führen kann. Und die großen Todeszahlen liegen hinter uns. Aber das ist womöglich nicht so.

Auch wir müssen länger durchhalten

Die heftigen Zeiten dauern länger, viel länger als gedacht. Mir fiel ein, woran mich das erinnert: In der Bibel passiert das immer wieder. Das Volk Israel zieht zum Beispiel weg aus Ägypten, durchquert die Wüste. Das gelobte Land dürfte bald erreicht sein, denken die Menschen. Aber Pustekuchen. Vierzig Jahre sind sie unterwegs. Sie leiden Hunger und Durst in der Wüste, und mancher kommt um, bevor alle das Ziel erreichen. Oder die Zeit des Exils in Babylon, auch eine heftige Krise in der Bibel, „an den Flüssen von Babylon saßen wir und weinten“, fast sechzig Jahre lang geht das. Auch da war die Hoffnung: Bestimmt können wir bald zurück in unser Land, in unser gewohntes Leben. Aber es dauert eine gefühlte Ewigkeit. Unsere Pandemie dauert ziemlich sicher keine vierzig oder sechzig Jahre. Aber auch wir müssen länger durchhalten als gedacht.

Wehklagen, aber die Situation solidarisch meistern

Was hilft da? Was haben die Menschen in der Bibel gemacht, als sie durch die Wüste zogen oder im Exil saßen? Ich find‘s erst mal beruhigend, dass auch sie gemurrt und geklagt haben, gegenüber Chefs wie Mose oder gleich gegenüber Gott. Aber sie haben sich auch auf die Situation eingestellt und versucht, sie zu meistern. Ausgerechnet in der Wüste gab‘s die Zehn Gebote und die Erkenntnis: Wir müssen uns an Regeln halten und miteinander solidarisch sein. Und im Exil sagt Gott ihnen: „Suchet das Wohl der Stadt! Lebt solidarisch mit allen, die dort wohnen!“ (vgl. Jeremia 29,7)

Mithelfen, rauszukommen aus der Krisensituation

Mir sagt das: Nach meinem Erschrecken und Klagen über die Corona-Notfallsituation will ich versuchen, solidarisch zu handeln, andere zu schützen, wieder einmal und noch ein bisschen länger. Ich hoffe, so kommen wir raus – aus der Wüste, dem Exil, der Pandemie.

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