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Bierparadies
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Bierparadies

Simone Twents
Ein Beitrag von

Simone Twents,

Referentin für Glaubenskommunikation und Pastorale Innovation, Fulda
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Ein Leben im Bierparadies. Na ja, genauer gesagt, über dem Bierparadies.
Das Bierparadies ist ein Kiosk in der Düsseldorfer Altstadt. Ein paar Jahre hatte ich darüber meine Wohnung.
Das Bierparadies hat Bier für einen Euro und einigem anderen Kleinkram, den man vor allem nach Feierabend gut gebrauchen kann. Im Rheinland gibt es ja überall diese Büdchen. Egal wo man wohnt, auf jeden Fall gibt es fußläufig so ein Büdchen. Da gibt’s Bier, Süßigkeiten, Zeitungen und auch ein Pfund Kaffee oder ne Rolle Klopapier. Diese Büdchen haben nicht immer offen, aber auf jeden Fall dann, wenn man sie braucht. Ich glaub, jeder der im Rheinland wohnt, den hat schon mal das Büdchen gerettet.
Mein Büdchen-Mann hieß Hamid. „Na, heute schon so früh unterwegs?“ oder “Heute was zu feiern?“ Irgendwas kam immer. Man kennt sich. Gute Nachbarschaft.
An einer Stelle in der Bibel sagt Jesus: „Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, um wie viel mehr wird dann euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten.“ - Das fordert meinen Glauben heraus. Jesus provoziert, spitzt zu. Warum „böse“? Ich halte mich eher für „normal-mittel“, nicht so richtig gut, nicht so richtig böse, gerne nett, aber auch nicht immer, normal halt. Aber wenn nun schon diese „Normalen“ ihren Kindern, Nachbarn, Büdchen-Kunden Gutes geben, wieso kann ich das nicht auch von meinem himmlischen Vater annehmen? Er ist doch so richtig echt, wirklich, tiefenwirkungsmäßig gut.
Wie oft denke ich, Gott hat mich hängen lassen. Nachher stellt sich das dann ganz anders heraus. Aber der Gedanke war da. Immer wieder ist meine erste Reaktion nicht das Vertrauen „Du willst mir bestimmt was Gutes geben“.
Wenn nun schon die Büdchen nicht immer offen haben, aber auf jeden Fall dann, wenn ich sie brauche, wie ist das dann erst mit meinem himmlischen Vater? Um wie viel mehr möchte ich mit seinem offenen Ohr rechnen und zu ihm beten in der Gewissheit, er hat Ohr und Herz offen für mich. Er ist für mich da. Ich bekomme bei ihm, was ich brauche. Auch nach Feierabend.
Ich bin überzeugt: Das toppt sogar noch mein Bierparadies.

 

 

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