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„Alleinstellungsmerkmale“ der Kirchen fruchtbar werden lassen

„Alleinstellungsmerkmale“ der Kirchen fruchtbar werden lassen

Prof. Dieter Wagner
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Prof. Dieter Wagner,

Oberschulrat i. K. i. R., Künzell
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Smartphones sind für heutige Menschen fast schon ziemlich gewöhnliche Gebrauchsartikel. Auf dem Markt gibt es eine Reihe von Anbietern. Bei gleicher Leistung und gleichem Geld fragen Interessierte: Worin besteht das „Alleinstellungsmerkmal des jeweiligen Produkts?
Wer es freilich wagt, in einer Zeit, die sich zu Recht als ökumenisch bezeichnet, von den „Alleinstellungsmerkmalen“ der Kirchen zu sprechen, der muss sich „warm anziehen“. Viele leidenschaftlich engagierte Christenmenschen plädieren nämlich dafür, das Gemeinsame der Konfessionen herauszustellen und trennende Punkte geflissentlich zu verschweigen. Weil für diese Menschen das Trennende ohnehin marginal ist, plädieren sie für das „Fusionieren“ der getrennten Konfessionen mit dem Satz: „Wir glauben schließlich alle an den einen Gott!“ Wer wollte dem widersprechen? Wenn es aber um Fusion geht, so sollte man einen Blick auf die Wirtschaft werfen. Erfahrungen im wirtschaftlichen Kontext zeigen, dass Fusionen, in denen die Unterschiede planiert werden, selten erfolgreich sind.
Doch was hat diese Erfahrung mit der ersehnten Einigung der Konfessionen zu tun? Längst wissen Befürworter der Ökumene, dass eine Einheit der Kirche nur denkbar ist, wenn die katholische Kirche katholischer und die evangelischen Kirchen evangelischer werden würden. Nur unter diesem Aspekt macht es im Übrigen auch Sinn, dass etwa eine ökumenisch gesinnte katholische Kirche ihr Alleinstellungsmerkmal herausstellt. Und nur so ist der frühere Slogan einer hessischen Landeskirche zu verstehen: „Aus gutem Grund evangelisch!“ Dahinter steht die Überzeugung, dass die christlichen Kirchen erst klar und deutlich ihre „Alleinstellungsmerkmale“ markieren müssen, bevor sie an eine „Fusion“, eine Vereinigung denken können. Für die evangelischen Kirchen wäre es ein großer Verlust, wenn sie von der Konzentration auf das Wort Gottes abrücken würden. Die katholische Kirche würde um vieles ärmer, wenn sie sich etwa weniger auf die sonntägliche Eucharistiefeier konzentrieren oder das Sakrament der Ehe zu „verbilligten Konditionen“ anbieten würde.
Mit diesem kritischen Resümee soll kein neuer Religionskrieg angezettelt werden. Vielmehr soll deutlich werden, dass der Satz „Wir glauben schließlich alle an den einen Gott!“ gerade die reich machenden Unterschiede innerhalb der christlichen Kirchen verwischt. Einheit entsteht ja nicht dadurch, dass alle einer Meinung sind, sondern in der gegenseitigen Akzeptanz von Unterschieden. Dies zu verdeutlichen, ist die wesentliche Aufgabe heutiger Ökumene. Sie ist zwar mühselig und unspektakulär, dafür aber effizient für eine Einheit in Vielfalt. Das ist es, worauf es ankommt.

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