Ihr Suchbegriff
Der Werzwisch
Bildquelle Pixabay

Der Werzwisch

Bettina Pawlik
Ein Beitrag von

Bettina Pawlik,

Katholische Gemeindereferentin, Pastoraler Raum Main-Taunus-Ost

„Heute Kräuterwanderung zu Maria Himmelfahrt!“ Ein kleines Plakat an der Kirchentür hat meine Aufmerksamkeit geweckt. Wer Interesse hat. kann mit anderen zusammen einen Kräuterstrauß sammeln – oder wie man hier bei uns in der Mundart sagt – einen Werzwisch. Dabei kann man erfahren, welche Kräuter in einen Werzwisch gehören und was für eine Bedeutung sie haben. Am Nachmittag des 15. August geht es los.

Leider kann ich bei der Kräuterwanderung nicht mitgehen, weil ich arbeiten muss. Aber einen Werzwisch sammle ich jedes Jahr. Mindestens sieben Kräuter sollen es sein. Was in diesen Kräuterstrauß gehört, ist regional sehr unterschiedlich. Oft sind es Blumen und Heilkräuter aus den umliegenden Wiesen. Aber schon in den vergangenen Jahren habe ich gemerkt – das ist gar nicht so einfach. Die Wiesen sind leer. Nach den Blutstroppe muss ich lange suchen. So heißt bei uns den großen Wiesenknopf. Früher waren die Wiesen voll davon. Thymian, Salbei, Johanniskraut – Fehlanzeige. Und gar eine große Königskerze! Früher wusste ich genau, wo die zu finden waren. Heute ist alles zugebaut – oder die Äcker gehen ganz bis an den betonierten Feldweg.

Das macht mich sehr nachdenklich. Warum gehen wir Menschen nur so achtlos mit Gottes guter Schöpfung um? Denn das ist ja der Sinn des Festes Maria Himmelfahrt. Maria wird mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Maria, die Mutter Jesu steht hier stellvertretend für die Menschheit, ja, für die gesamte Schöpfung.  Das bedeutet: Die ganze Schöpfung ist durch die Sünde der Menschen bedroht. Aber Gott hat sie gerettet.  Er kam selbst in Jesus, seinem Sohn, wurde einer von uns und hat uns durch seinen Tod am Kreuz erlöst. Wir sind ein Teil der vom guten Gott geschaffenen und erlösten Welt. Sollten wir da nicht gut und sorgsam mit unseren Mitgeschöpfen umgehen?

Bei einem Spaziergang letzte Woche habe ich etwas Überraschendes gesehen. Ein Bauer aus unserem Ort hat seinen Acker nicht bis an den Wegesrand gepflügt. Er hat einen Streifen freigelassen für Blumen und Kräuter. Eine tolle Idee. Da finde ich hoffentlich wieder die Kräuter für meine Werzwisch.

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren