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Worte verändern
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Worte verändern

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden

„Nicht die Taten bewegen die Menschen, sondern die Worte über die Taten." Oft habe ich diesen Spruch aus dem Mund von Heiner Geißler gehört, dem verstorbenen CDU – Politiker. Der wiederum hat ihn von Aristoteles. "Nicht die Taten bewegen die Menschen, sondern die Worte über die Taten." Als junger Student habe ich dieses Wort zum ersten Mal gehört und darüber nachgedacht. Mich hat damals schon beeindruckt, dass Heiner Geißler dem Wort eine größere Bedeutung gibt als der Tat. Und ich habe mich gefragt, ob das denn wirklich stimmt, dass die Worte Menschen mehr verändern als die Taten. Wenn ich mir Jesus und seine Botschaft anschaue, dann stimmt das: auch Quellen außerhalb der Bibel belegen, dass Jesus wirklich gelebt hat und dass er für sein pazifistisches Leben in den Tod gegangen ist, in der Bibel selbst lese ich von Wundern und Heilungen und schließlich von der Auferstehung. Aber all diese Taten und Ereignisse haben nicht die Welle ausgelöst, die wir heute allgemein als das Christentum bezeichnen. Es waren Menschen, die von Jesus begeistert waren. Menschen, die hinausgegangen sind in alle Ecken des römischen Reiches und von diesen Taten Jesu erzählt haben. Und erst diese Worte, diese Predigten haben dafür gesorgt, dass sich an vielen Orten christliche Gemeinden gegründet haben, vielleicht deshalb, weil Menschen in den Worten der Apostel Trost und Hoffnung für ihr eigenes Leben gefunden haben.

"Nicht die Taten bewegen die Menschen, sondern die Worte über die Taten." An diesem Satz wird mir auch klar, welche Kraft Worte haben können. Worte können mich aufbauen oder entmutigen: Ich kenne das Gefühl, wenn ich traurig bin und mit einem guten Freund über alles reden kann: seine guten Worte geben mir Kraft und Hoffnung. Ich habe es auch schon öfter erlebt, dass mich gute Predigten oder andere Ansprachen fasziniert und motiviert haben. "Nicht die Taten bewegen die Menschen, sondern die Worte über die Taten." Ich glaube, dass erst die Reflexion über Taten mir das Gefühl gibt: Ja, auch ich bin gemeint. Erst dadurch, dass meine Eltern, Lehrer und Pfarrer mir von Gott erzählt haben, habe ich verstanden: Ja, das hat was mit meinem Leben zu tun, ich bin gemeint, ich kann mit meinem Leben auch etwas tun, so wie Jesus es getan hat. Für mich war die Erkenntnis, dass das Wort eine solche Bedeutung hat, eine wichtige Motivation Seelsorger zu werden. Ich glaube daran, dass das Wort viel bewirken kann.

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