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Zwischen drei Welten
Bildquelle: Wikilmages/Pixabay

Zwischen drei Welten

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Nein, sagt die Frau aus Afrika, zuhause bin ich nicht in Deutschland. Ich bin ja nicht gerne weg von daheim. Es war Not. Ich wollte lernen, studieren, arbeiten. Das ging alles nicht in meinem Dorf. Meine Eltern wollten mein Bestes. Nur weggehen sollte ich nicht. Bin ich aber doch, mit zwanzig. In Deutschland konnte ich Medizin studieren, mein Lieblingsfach. Im Studium ging’s mir gut. Auf der Straße und in Geschäften oft nicht. Meine Hautfarbe macht wohl Angst, es gab oft dumme Sprüche. Nein, zuhause bin ich hier nicht.
In meiner Heimat aber auch nicht mehr, sagt die Frau aus Afrika. Ich besuche ja meine Eltern, meine Brüder. Im Dorf schauen sie mich seltsam an. Als gehörte ich nicht mehr zu ihnen. Auch die, die ich von früher noch kenne, drehen sich manchmal weg. Als wäre ich ansteckend. Ich könnte nicht mehr zurück nach Afrika, sagt die Frau. Ich lebe jetzt zwischen zwei Welten.
Eigentlich zwischen drei. Es gibt ja Pedro, meinen Liebsten. Der ist auch Arzt. Und wohnt dort um die Ecke, sagt die Frau. Er ist aus Kolumbien, Südamerika. Die große Welt ist klein geworden. In ein paar Stunden fliegt man alles ab. Afrika, Deutschland, Südamerika. Da gibt’s oft kein richtiges Zuhause mehr. Nur Pedro. Zuhause bin ich in seinem Herzen. Wir erzählen uns von früher, unseren Dörfern, dem Essen, den Schulen und wie wir dort zur Kirche gegangen sind. Klein waren die Kirchen. Groß sind sie oft in Deutschland. Manchmal gehen wir in eine große Kirche. Da staunen wir, halten uns an der Hand, zünden Kerzen an für unsere Familien. Und wünschen uns immer, dass Gottes Herz groß genug ist für uns alle.

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