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Weglaufen und der Stimme des Herzens folgen
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Weglaufen und der Stimme des Herzens folgen

Ute Klewitz
Ein Beitrag von

Ute Klewitz,

Pastoralreferentin, Mentorin für Lehramtsstudierende mit dem Fach Katholische Theologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz
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Ich wäre als Kind so gerne mal Blumenkind bei einer Hochzeit gewesen. Aber ich bin es leider nie geworden. Als ich zehn Jahre alt war, da haben unsere Nachbarn geheiratet. Und für ihre Hochzeit wollten sie zwei Blumenkinder – sie haben dafür meine jüngere Schwester und die kleine Tochter von unseren anderen Nachbarn gewählt. Die beiden Mädchen bekamen wunderschöne Kleider genäht.Ich war neidisch und auch traurig.

Da hatte ich endgültig genug!

Ich habe schöne Kleider schon immer geliebt. Dann kam der Tag der Hochzeit und das große Anziehen und Schönmachen. Da hatte ich endgültig genug. Ich bin in mein Zimmer gegangen und habe meinen Nähkoffer ausgeschüttet und dann gepackt: frische Unterwäsche und mein schönstes Sommerkleid. Dann bin ich zur Haustür raus, habe mein Fahrrad genommen – ich wollte einfach nur weg. Ich bin losgefahren - raus aus unserem Städtchen durch ein kleines Wäldchen in Richtung der nächsten Dorfbauernschaft.

Der ganz besondere Ratschlag

Ich hab so vor mich hin geschluchzt, als ich plötzlich die Stimme meines Vaters hörte: „Ute, wohin willst du?“ Ich war so überrascht, dass ich fast von meinem Fahrrad gefallen bin. Mein Vater ist hinter mir hinterhergefahren, und wir beide haben uns dann auf einen Baumstamm am Waldrand gesetzt, und erst mal hat er mich getröstet. Dann haben wir lange geredet. Und mein Vater hat mir dabei einen ganz besonderen Ratschlag gegeben. Er hat gesagt: „Es ist ganz wichtig in deinem Leben, dass du der Stimme deines Herzens folgst.

"Das hat mir sehr gut getan"

Manchmal, wenn du dich ärgerst oder traurig bist, ist es gut weg zu gehen, um herauszufinden, was dein Herz dazu sagt. Und du kannst jederzeit wiederkommen – nach Hause.“ Das hat mir damals sehr gut getan. Dieser Gedanke, „der Stimme seines Herzens zu folgen“, hat auch das Lebensende meines Vaters bestimmt. Er war sehr krank und wollte sterben. So ist er ganz ruhig im Vertrauen auf die Stimme seines Herzens seinen Weg zu Gott gegangen.

 

 

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