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Vom Verlieren und gefunden werden
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Vom Verlieren und gefunden werden

Michael Friedrich
Ein Beitrag von

Michael Friedrich,

Volkshochschulleiter und Diakon, Hosenfeld
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Wo habe ich nur wieder meinen Schlüssel liegen lassen? Vielleicht kennen Sie diese Situation auch. Die Suche beginnt: Vorbei am Körbchen, in das ich gewöhnlich den Schlüssel lege. Ich kontrolliere die Türe von innen und außen. Zunehmend macht sich Hektik breit und die Suchrunden durch die Wohnung breiten sich immer weiter aus. Ich blicke in die Küche, Bad und Wohnzimmer aber der Schlüssel bleibt verschwunden. Schließlich der rettende Gedanke und tatsächlich: Ich finde ihn in meiner Jackentasche. Große Erleichterung macht sich breit.
Auch in der Bibel gibt es Geschichten vom Verlieren, Suchen und Finden. Ein bekannter Text ist der vom verlorenen Schaf (Luk. 15,3). Ein Hirte bemerkt abends bei der Zählung, dass ihm eines der 100 Schafe fehlt. Und wir lesen: Jetzt zählt nur noch das eine, das verlorene Schaf. Dem Hirten ist bekannt, es kann alleine nicht überleben. In den Gefahren der Nacht ist es schutzlos. Der Hirte macht sich auf und geht die Wege nach, die er am Tag mit der Herde zurückgelegt hat. Er klettert dorthin und dahin, um besser und weiter sehen zu können, lauscht ob er vielleicht ein leises Blöken vernehmen kann. Schließlich sieht er es, nähert sich ihm behutsam, spricht es leise an, um es liebevoll auf seine Schulter zu nehmen. Endlich hat er es gefunden. Voll Freude trägt er es heim zu den anderen Schafen.

Szenenwechsel: "Manchmal ist mir, als ginge ich verloren!" Das sagen Menschen, denen das Leben schwere Wunden zugefügt hat. Eine Ehe geht in die Brüche, jemand verliert die Arbeit oder eine schwere Krankheit plagt einen Menschen. Schließlich die Erfahrungen des Alltags: Der Lebensmut geht verloren. Das Ausgeliefertsein durch all die Zwänge und Termine. Die immer gleichen, ausgetretenen Wege des Lebens. In diesen Situationen stellt sich die Frage: Wer sucht mich, ist da jemand der nach mir schaut, ist da jemand der mich aufbaut?
Die Bibel bezeichnet den Hirten, der das eine Schaf sucht und die 99 zurücklässt als den guten Hirten. Ökonomisch ist es sicherlich nicht sinnvoll, 99 Schafe zu gefährden, um eines zu retten. Aber: Der gute Hirte ist ein Bild für Gott selbst. Und das Gleichnis vom guten Hirten sagt uns: So ist Gott! So ganz anders, als wir ihn uns vorstellen. Wo wir uns verloren fühlen, bleibt er uns auf der Spur. Wo wir uns verstecken wollen, hat er uns schon entdeckt. Keinen erklärt er zum hoffnungslosen Fall. Für ihn sind wir unendlich wertvoll. Seine Sorge für uns gilt immer. Das tröstet mich, muntert mich auf und gibt mir neuen Mut: Zu wissen, dass Gott sich immer um mich sorgt. Auch und gerade dann, wenn ich selbst schon den Mut verloren habe. Das Wissen um Gottes Sorge ist eine beruhigende Erkenntnis für mich. Da wird das Problem des verlorenen Schlüssels auch gleich ein bisschen kleiner.

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