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Trotzdem: Ich bleibe
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Trotzdem: Ich bleibe

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Stellvertretender Pressesprecher des katholischen Bistums Mainz
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Das vergangene Jahr: Es ist mal wieder kein wirklich gutes für die Katholische Kirche gewesen. Was hat es da nicht alles gegeben an Skandalen, schrecklichen Enthüllungen und Zahlen! Ich denke vor allem an die Veröffentlichung der so genannten MHG-Studie: 1.670 Kleriker haben sich seit den 1940er Jahren in Deutschland des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen schuldig gemacht. Dann waren da auch noch die Finanzskandale in den Bistümern Eichstätt und Würzburg. Oder die Ansprache von Papst Franziskus, in der er Abtreibungen mit Auftragsmord verglichen hat.

Ich gebe zu: Auch ich als Kirchenmensch verzweifle manchmal wirklich über den Zustand der Katholischen Kirche. Und ich frage mich: Was ist bloß los mit meiner Kirche und ihrem Bodenpersonal? Eine Antwort habe ich auf diese Frage noch nicht gefunden. Aber ich beobachte: Jedes Jahr verlassen mehr Menschen die Katholische Kirche. Das Bistum Mainz, das zu ja zu zwei Dritteln in Hessen liegt, verliert jedes Jahr durchschnittlich eine große Pfarrei. Über 6.000 Menschen sind 2017 im Bistum Mainz aus der Kirche ausgetreten. In Limburg und Fulda sieht es nicht viel anders aus. Und wenn ich in mein persönliches Umfeld schaue: Mit der Kirche haben viele meiner Freunde nicht mehr viel am Hut. Vielmehr wundern sie sich und fragen mich, warum ich diesem Laden denn noch immer die Treue halte.

So wie meinen Freunden geht es wohl vielen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie haben 41 Prozent aller deutschen Katholikinnen und Katholiken schon einmal über einen Kirchenaustritt nachgedacht. Schockiert hat mich diese Zahl angesichts der genannten Skandale nicht wirklich. Aber überrascht hat mich die Antwort, warum die meisten den entscheidenden Schritt nicht machen: Ihr Glaube ist der wichtigste Grund, in der Kirche zu sein und zu bleiben.

Und so ist es auch bei mir. Glaube und Kirche werden mir immer wichtig bleiben. Ich habe in der Kirche viele positive Erfahrungen machen können: als Messdiener, Chorsänger und Jugendgruppenleiter meiner Pfarrei in Wiesbaden. Als Student in einer Katholischen Hochschulgemeinde. Heute als Mitarbeiter des Bistums Mainz. Ich habe überall großartige Menschen kennengelernt, die mich und meinen Glauben geprägt haben. Ob das mein alter Heimatpfarrer war. Oder die Gemeindereferentin, mit der ich Kinderfreizeiten organisiert habe. Oder meine Kommilitonen in der Hochschulgemeinde. Deswegen hat mein Glaube in der Katholischen Kirche seine Heimat.

Diese Glaubensheimat will ich mir nicht nehmen lassen. Auch wenn ich mich natürlich über meine Kirche schon so manches Mal sehr ärgern musste. Ich denke dann an den Apostel Paulus. Ein Wort von ihm tröstet mich dann immer. Er hat einmal gesagt: „Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“

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