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Leid ertragen
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Leid ertragen

Ute Zöllner
Ein Beitrag von

Ute Zöllner,

Evangelische Pfarrerin i.R., Pastoralpsychologin, Kassel
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Im Internet entdecke ich eine Seite mit Namen `Gute Frage.net`. Da kann ich mich anmelden und meine Fragen stellen. Gespannt schaue ich nach, ob der Karsamstag in diesem Chat eine Rolle spielt. Tatsächlich, ich finde eine Frage zum heutigen Tag und 14 Antworten gleich dazu.
„Hey Leute“, schreibt da einer, „habe eine Frage und zwar: Darf man Karsamstag Rasen mähen? Grüße.“ Die Antworten im Chat kommen prompt. Inhaltlich sind alle einer Meinung. Der Ton, in dem sie geschrieben sind, fällt allerdings recht unter­schiedlich aus. In einer Antwort heißt es: „Ja, darfst du. Ist kein Sonn- und Feiertag. Kann dir allerdings passieren, dass du von allzu engstirnigen Mitbürgern gemaß­regelt wirst. Aber dürfen darfst du.“ Ein anderer meint: „Ist ein Werktag und kein Feiertag ergo: Ja!“ Rechtlich ist die Frage korrekt beantwortet. Nur frage ich mich selber: Will ich das denn? Nicht alles, was ich darf, tut mir gut oder entspricht meiner Stimmung.

Karsamstag ist für mich ein stiller Tag. Ich mag keine Hektik. Eine lange Schlange an der Kasse im Supermarkt finde ich heute besonders lästig. Die Fenster zu putzen käme mir nicht in den Sinn. Das passt einfach nicht zu dem, was mich am Karsams­tag beschäftigt. Sicher, es gibt das eine oder andere zu tun, um das Osterfest vorzu­bereiten. Die Kinder wollen kommen. Gerne backe ich an diesem Tag den Osterzopf  und schmücke die Wohnung. Auch die bunten Ostereier finden bei mir erst heute ihren Platz am Osterstrauch.
Karsamstag – darin steckt das Wort Kara. Kara kommt aus dem althochdeutschen und bedeutet Klage, Kummer und Trauer. Es ist der Tag nach Karfreitag, der Tag, an dem Jesus im Grab ruht.
Die Bibel erzählt, dass ein Jünger Jesus vom Kreuz abnehmen durfte. Pilatus, er­staunt, dass Jesus schon tot war, gab ihm die Erlaubnis, Jesus vom Kreuz zu nehmen. Er wickelte ihn in ein Leinentuch. Dann legte er den Leichnam in eine Grabkammer. Alles sollte schnell gehen, denn die Vorbereitungen für den Sabbat hatten schon be­gonnen.

Nun können auch die Frauen nichts mehr ausrichten. Von weitem hatten sie alles mit angesehen. Das Herz ist ihnen schwer, aber sie warten. Sie weinen, sie klagen. Bestimmt wäre es leichter gewesen, sich abzulenken. Schon alles für die Totensal­bung vorzubereiten. Aber sie haben keine andere Wahl. Sie legen die Hände in den Schoß. Sie warten und halten ihre Gefühle aus.
Auf Kummer und Leid gibt es keine einfachen Antworten. Es gibt Tage, da bleibt mir nichts anderes übrig als auszuhalten, was mich schmerzt. Das bedeutet der Karsams­tag für mich.

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