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Leben!
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Leben!

Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen
Ein Beitrag von

Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen,

Referentin für Familien- und Beziehungspastoral, Fulda
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Schon immer löste dieser Satz erschrecken aus: „Mann über Bord!“. – Sie  haben es in dieser Woche möglicherweise auch gehört: Auf einem Kreuzfahrtschiff in der neufundländischen See bei Kanada ist am Sonntag in den Morgenstunden ein Mann über Bord gegangen. Es handelt sich dabei um Daniel Kübelböck. Kübelböck war im Jahr 2002 einer der Stars der ersten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“. Jetzt wurde er auf einem Vergnügungsschiff als vermisst gemeldet. Ein Mann geht über Bord, während in den Bars die Sektkorken knallen. Während auf den Tanzflächen gefeiert wird, kann einer der Passagiere die Perspektive für sein Leben nicht mehr finden. Wie groß muss für ihn der Kontrast gewesen sein! Wie einsam muss er sich gefühlt haben...
Ich meine, es sollte möglich sein, solche Situationen zu verhindern. Situationen, in denen ein Mensch keinen anderen Weg mehr für sich sieht, als sein Leben zu beenden. Aber trotzdem gibt es anscheinend Schwierigkeiten und Herausforderungen, in denen Menschen sich unüberwindbar gefangen fühlen können. Einfache oft zu einfache Antworten helfen nicht. Und hier komme ich selbst ins Spiel: Menschen, mit denen ich lebe, die mir in meinem Umfeld begegnen, – ich kann, ja ich muss sogar dafür Sorge tragen, dass sie sich in dieser Gemeinschaft getragen fühlen. Es liegt auch an mir, Beziehungen so zu gestalten, dass alle Facetten eines Menschen darin Raum haben – und nicht nur die, mit denen ich auf Facebook und Instagram eine gute Figur mache. Gott liebt jeden Menschen. Dabei ist es egal, ob er erfolgreich ist oder nicht. Gott liebt jeden Menschen bedingungslos wie er ist, ohne dass er etwas dafür leisten muss. Gott liebt jeden Menschen mit seinen Stärken, Talenten, seiner Kreativität, mit allen Grenzen und Schwächen, auch mit seiner Schuld. Diese bedingungslose Liebe Gottes wird gerade auch dann erfahrbar, wenn ein Mensch auf den anderen achtet, wenn Menschen füreinander da sind. Ein Schicksal wie das von Daniel Kübelböck ist traurig. Die wirklichen Hintergründe werden vielleicht nie herausgefunden. Es sind einige der Themen und Situationen genannt, die Menschen das Leben schwermachen. Hier nicht wegzusehen, ist schon ein erster hilfreicher Schritt, Menschen vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren. Und ich nehme mir vor, dass Menschen dieses bedingungslose Angenommen-Sein bei mir deutlicher erleben können. Vielleicht verändert so eine Haltung ja das menschliche Miteinander so, dass etwas davon erfahrbar wird, was Gottes unbedingte Liebe zu den Menschen meint.

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