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Hans im Glück
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Hans im Glück

Jochen Straub
Ein Beitrag von

Jochen Straub,

Seelsorge für Menschen mit Behinderung im Bistum Limburg
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Vor kurzem habe ich morgens zuhause mein Handy vergessen. Heutzutage denkt man ja: Ohne Handy kann ich einen Tag gar nicht mehr heil überstehen! Auch ich hab im Auto erst überlegt: ich fahr zurück und hole es noch. Das habe ich aber dann doch nicht gemacht. Und ich habe den Tag trotzdem überstanden.

Auf der Rückfahrt nach Hause ist mir ein Märchen der Gebrüder Grimm eingefallen. Es heißt ‚Hans im Glück‘. Der Hans, von dem die Geschichte handelt, hat einen großen Klumpen Gold bekommen. Auf dem Weg nach Hause schwatzt ihm ein Reiter das Gold ab und gibt Hans zum Tausch sein Pferd. Es dauert nicht lange und Hans hat bei einem Bauern das Pferd gegen eine Kuh eingehandelt. Bei einem Müller tauscht er die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein schließlich gegen eine Gans. Ein Scherenschleifer listet ihm die Gans gegen seinen Wetzstein ab. Hans schleppt sich nun mit dem schweren Stein ab und als er schwitzend und müde an einem Bach rastet, fällt ihm dieser auf Nimmerwiedersehen ins Wasser. Die Erzählung schließt mit dem Satz: „Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter war.“

An diesem Tag war ich der Hans im Glück oder besser: Der Jochen im Glück. Ich habe mein Handy zwar nicht so lange zurückgetauscht, bis ich nichts mehr hatte. Aber ich habe gespürt: Ohne mein Handy geht’s auch. Und ich fühl mich sogar erleichtert und befreit! Ich konnte ja nicht ständig auf meine Nachrichten und Mails schauen – und das hat den Tag über mal richtig gut getan! Ich hab beschlossen, das mach ich jetzt öfter mal: ohne losgehen! Ich hab gemerkt: So komm ich mit leichtem Herzen und freier durch meinen Tag!

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