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Einfach oder normal?!
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Einfach oder normal?!

Bernd Spriestersbach
Ein Beitrag von

Bernd Spriestersbach,

Evangelischer Schulpfarrer und Schulseelsorger, Hanau
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"Bei unserem Bäcker gibt es nur einfache Brötchen“ Jedes Mal beim Brötchenholen, fällt mir dieser Satz eines Pfarrers aus Bethel ein. Bethel. Eine große diakonische Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. „Bei uns gibt es nur einfache Brötchen“. Üblicherweise verlange ich „normale Brötchen“. Wenn ich die einfachen will. Nicht die Vollkorn-, Mohn- oder Laugenbrötchen. Die normalen.
Einfach – normal. Im ‚normal‘ steckt eine Wertung: So muss es sein. Das ist die Norm. Aber was ist schon ‚normal‘? Und ich frage mich, ob ich der Norm entspreche.
Ich denke auch an Menschen mit Behinderungen, die in Bethel leben. In den Augen vieler entsprechen sie nicht dem, was viele als normal bezeichnen.
Die Sache mit den ‚einfachen‘ und ‚normalen‘ Brötchen arbeitet in mir. Vielleicht gibt es gar kein ‚normal‘. Jeder ist einfach so wie er ist. Mit seinen Einschränkungen. Wir sind unterschiedlich. Sehen unterschiedlich aus. Haben verschiedene Begabungen. Und Behinderungen.
In gewisser Weise denke ich: Jeder Mensch hat seine Handicaps. Körperlich, seelisch, emotional. Oder in der sozialen Kompetenz. Wenn ich am Pflegebett meines Vaters stehe, der nur noch die Augen bewegen kann und keine Verständigung mehr möglich ist – dann spüre ich, wie ‚behindert‘ ich in dieser Situation bin. Ich weiß nicht, wie ich angemessen reagieren soll.
Ich glaube: So wie ich bin, bin ich ein wertvoller Mensch. Weil Gott mich so sieht. Deshalb darf ich mich selbst so sehen. Und meinen Mitmenschen auch. Da relativiert sich, was ‚normal‘ ist. Dann ist die Verschiedenheit vielleicht das ‚Normale‘.
Ich will weiter darüber nachdenken.

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