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Ehrlicher Schwarzfahrer
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Ehrlicher Schwarzfahrer

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

Mit Eva und Adam hat es angefangen und jetzt hängen wir da alle mit drin. Die Bibel erzählt: die ersten Menschen haben im Paradies von Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen gegessen und seitdem können wir es unterscheiden. Wir haben, so würden wir es heute sagen, ein Gewissen. Das meldet sich, wenn das, was wir tun, sich mit dem beißt, was wir als gut und richtig ansehen.

Manche Gewissenbisse erweisen sich dabei als sehr hartnäckig. So bei einem Schwarzfahrer in der Schweiz. In einem Brief hat er der Schweizer Bahn vor kurzem gestanden: 1967, vor 50 Jahren, hatte er Fahrkarten für eine viertelstündige Zugfahrt noch einmal verwendet, wenn sie der Schaffner nicht entwertet hatte. Das hat er drei- bis fünfmal gemacht. Er schreibt weiter: Er bereut die Schwarzfahrten, bittet um Entschuldigung und möchte "die Sache vor Menschen und Gott ordnen". Der Bahn will er den Betrag zur freien Verfügung überweisen.

Viele würden sagen: „Aber so etwas ist doch eine Kleinigkeit, ein Kavaliersdelikt, oder sogar Cleverness? Da ist doch längst Gras über die Sache gewachsen, die Abrechnung für das Jahr 1967 hat die Bahn doch längst gemacht.“ Auch die Menschen bei der Bahn waren verblüfft: "So etwas haben wir noch nie erlebt", schreibt der Bahnsprecher in einem Brief an den ehrlichen Schwarzfahrer, den er auch auf Facebook veröffentlicht hat.

„Dass Sie sich nach solch langer Zeit noch dazu bekennen, schätzen wir sehr. Auf die Erstattung des Fahrpreises verzichten wir gern aufgrund Ihrer Ehrlichkeit, denn - ehrlich währt am längsten, länger als jeder Verjährungsfrist.“ Mir zeigt das: So richtig los ist man die Gewissensbisse erst, wenn man seine Schuld bereut und benannt hat, wenn man um Verzeihung gebeten hat und freigesprochen wurde.

Gott hat uns als freie Menschen geschaffen, die Gut und Böse unterscheiden können. Wenn sich das, was ich getan habe, mit dem beißt, was für mich gut und richtig ist, dann kann ich, wie der ehrliche Schwarzfahrer, um Vergebung bitten, Gott und die Menschen – und neu beginnen.

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