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Der harte Blick in den Spiegel
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Der harte Blick in den Spiegel

Ein Beitrag von

Jelena Wegner,

Evangelische Pfarrerin, Siegbach
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Vor dem Spiegel im Bad. Ich reibe meine Augen und schaue mir selbst ins Gesicht.  Am Morgen müde noch vom Schlaf. Kissenabdrücke auf der Wange. Am Abend müde vom Tag.

Ich klatsche mir Wasser ins Gesicht. Ob das die Abdrücke und Falten vertreibt? Lachfalten kann man einige von ihnen nennen. Lachen ist schön. Die Falten mag ich trotzdem nicht.

Ein Blick von außen 

An manchen Tagen kann ich mein Spiegelbild nicht gut ansehen. Ich atme durch, sammele mich und gehe raus aus dem Bad. Ob die anderen mich auch so sehen wie ich mich selbst im Spiegel?

Bei meiner Freundin sehe ich nicht zuerst ihren grauen Haaransatz. Und wenn ich ihn sehe, mag ich sie deswegen nicht mehr oder weniger. Ich mag sie, weil sie meine Freundin ist. Mit und ohne graue Haare.

...wie dich selbst!

So kritisch wie ich selber schauen vermutlich wenige auf mich. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, steht in der Bibel. Meinen Nächsten lieben ist nicht immer einfach. Aber mich selbst lieben fällt ebenfalls nicht alle Tage leicht. Andere schaue ich liebevoller an als mein eigenes Spiegelbild.

Dann tut es mir gut, wenn ein anderer mich anschaut, mit Liebe. Das kann eine Freundin sein. Und ich glaube, das kann auch Gott sein. So erlebe ich meinen Glauben: dass ich mich Gott zeigen kann, wie ich bin, und Gott mich freundlich im Blick hat.

Schau, was da alles zu sehen ist

Manchmal erinnere ich mich selbst vor dem Spiegel daran: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Sei auch nett zu dir! Schau, was da alles in deinem Spiegelbild am Ende eines Tages zu sehen ist: die Arbeit des Tages. Das Lachen mit meinen Kindern. Ich sehe die frische Luft vom Spazieren mit meinem Hund.       

Ich mache das Badezimmerlicht aus, gehe schlafen und denke: Gott hat mich einzigartig gemacht.

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