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Dr. Joachim Schmidt
Ein Beitrag von

Dr. Joachim Schmidt,

Evangelischer Pfarrer, Darmstadt

Kennen Sie die Aber-Sager? Es gibt ziemlich viele davon, man muss nur mal darauf achten. Das sind Leute, die beginnen fast jeden Satz mit einem Aber, ob es passt oder nicht und auch, wenn vorher gar keiner was gesagt hat.

Mit dem Wort Aber beginnt ja eigentlich ein Widerspruch: Du siehst die Sache so, aber ich sehe sie anders. Du bist hier, ich auf der anderen Seite. Die Dauer-Aber-Sager kürzen das ab. Sie wollen gar nicht diskutieren. Eine andere Seite brauchen sie nicht. Die soll man sich dazu denken. Klassisches Beispiel: Unvermittelt sagt jemand in der Runde: Aber Holzkohle-Grills sind doch einfach die besten.

Vielleicht bekommt er ja Widerspruch, vielleicht aber auch nicht, weil das Thema gerade keinen interessiert. Der Aber-Sager schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: er hat sein Thema angebracht, und er hat das letzte Wort. Vielleicht will er gar nichts anderes. Denn alles andere will er oder sie nach Möglichkeit vermeiden.

Ich vermute: Die meisten dieser Dauer-Aber-Sager sind im Grunde ihres Herzens ganz arme, einsame Leute. Sie wollen sich nicht austauschen, sie wollen Recht haben. Sie suchen keine Argumente, sie suchen Kopfnicken. Sie haben ihre feste Meinung, die haben sie schon lange, und bei allem Neuen sind sie dagegen. Sie wollen nicht zuhören und wollen nichts dazu lernen. Bloß keine Veränderung.

Ein fataler, ein trauriger Irrtum. Nichts bleibt heute so, wie es gestern war. Jeden Tag ist die Welt wie ein neu geborenes Kind. Ein Kind ist die einzigartige Mischung aus Mutter und Vater. Sie hat es so noch nie gegeben und wird es nie wieder geben. Genau wie so ein kleines Kind ist jeder neue Tag einzigartig, ein Grund zum Staunen und zur Hoffnung. Was sagt wohl der Aber-Sager dazu?

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