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100 Jahre Oscar Romero
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100 Jahre Oscar Romero

Dr. Joachim Schmidt
Ein Beitrag von

Dr. Joachim Schmidt,

Evangelischer Pfarrer, Darmstadt

Heute vor genau 100 Jahren wurde Óscar Arnulfo Romero in einem kleinen Gebirgsort in El Salvador geboren. El Salvador liegt in Mittelamerika und ist etwa so groß wie Hessen. Einst lebten hier die Mayas, dann kamen die spanischen Eroberer. Sie unterwarfen die Ureinwohner, beuteten das Land aus und gaben ihm einen zynischen Namen: El Salvador heißt zu Deutsch „der Erlöser“. 300 Jahre lang war es eine spanische Kolonie.

Der Name Romero bedeutet eigentlich: Ein Pilger, der nach Rom zieht. Óscar Romero ging tatsächlich nach Rom und studierte dort Theologie. 1943 kehrte er nach El Salvador zurück. Er hat als Pfarrer und Redakteur gearbeitet und sich besonders mit den sozialen Missständen in seinem Land auseinandergesetzt. Er wurde einer der Begründer der so genannten südamerikanischen Befreiungstheologie.

Viele in El Salvador mussten unter elenden Bedingungen für Hungerlöhne auf den Kaffeeplantagen arbeiten. Damals wie heute beherrschten wenige Großgrundbesitzer-Familien das Land wie im Mittelalter. Óscar Romero wurde einer jener Priester, die die befreiende Botschaft des Evangeliums unmittelbar politisch verstanden und sich als „Stimme der Armen“ sahen.

Óscar Romero wurde schließlich Erzbischof von El Salvador. Er hörte nicht auf, gegen Ausbeutung und Unterdrückung zu predigen. Damit machte er sich keine Freunde, im Vatikan nicht und bei der Militärjunta in El Salvador erst recht nicht. Während er in einer Krankenhauskapelle am 24. März 1980 die Messe las, erschoss ihn ein Soldat im Auftrag der Militärs.

Dürfen Christen und Kirche sich in die Politik einmischen? Die so genannte Befreiungs-Theologie und das politische Engagement der Kirche überhaupt sind für manche Christen heute immer noch ein rotes Tuch. Sie meinen, die Kirche solle sich aus der Politik heraushalten. Der christliche Glaube habe sich auf die Seelen der Menschen zu beschränken und nichts mit den Lebensbedingungen zu tun.

Óscar Romero hat das ganz anders gesehen. Er wusste sich dabei ganz und gar in der Nachfolge Jesu, der mit seiner Botschaft von der befreienden Liebe Gottes immer zuerst zu denen ging, die auf der Schattenseite des Lebens standen. Jesus predigte zu ihnen, er tröstete sie, er heilte sie. Die Machthaber hielten das für die Vorbereitung eines Aufstandes und hassten ihn dafür. Das war es auch, was Jesus am Ende das Leben gekostet hat. Vielen in der Nachfolge von Jesus ging es später ähnlich, auch Óscar Romero, der nur 63 Jahre alt wurde.

An der großen Kirche Westminster Abbey in London gibt es eine Wand mit den Standbildern von zehn christlichen Märtyrern des 20. Jahrhunderts. Sie sehen ein wenig aus wie die Apostel oder Heiligenbilder an den mittelalterlichen Kirchen. Óscar Romero steht da zwischen großen Zeugen eines sehr politisch verstandenen Evangeliums unserer Zeit: Martin Luther King und Dietrich Bonhoeffer. Er hat es verdient, dass wir uns an ihn erinnern.
 

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