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Kräutersammeln für Mariä Himmelfahrt
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Kräutersammeln für Mariä Himmelfahrt

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

An heißen Tagen esse ich als Frankfurterin gerne Grie Soß, grüne Soße. Die typischen sieben Kräuter müssen frisch sein und am besten gleich verarbeitet werden. Lecker. Manche Kräuter aber entfalten erst getrocknet ihren vollen Duft und ihre Wirkung. Und solche Kräuter heute oder morgen zu pflücken, das ist ein sehr alter Brauch.

Morgen, am 15. August, wird nämlich in der katholischen Kirche das Fest Mariä Himmelfahrt gefeiert. Im Saarland und vielen Gegenden Bayerns ist das ein gesetzlicher Feiertag. Und auch wenn bei uns in Hessen ganz normal gearbeitet wird: Einige Menschen werden morgen in den Gottesdienst gehen, und manche von ihnen bringen Kräuter mit, zur sogenannten Kräuterweihe.

Dieser Brauch geht auf eine alte Legende zurück: Als die Jünger nach der Beerdigung das Grab von Maria, der Mutter Jesu, öffnen wollten, soll es leer gewesen sein, allerdings hätten sie einen starken Duft von Rosen und Kräutern wahrgenommen, was sie nun wirklich nicht vermutet hätten. Aus dieser Erzählung entwickelte sich die Tradition, am Fest Mariä Himmelfahrt Kräuterbüschel und -sträuße zu segnen.

Heute wäre also ein guter Tag, Kräuter zu sammeln, am besten Heilkräuter wie Schafsgarbe, Johanneskraut, Kamille, Thymian oder Salbei.

Es gibt da die verschiedensten Traditionen, wie viele unterschiedliche Kräuter in so einen Kräuterbüschel gehören, 7 wie die Tage der Schöpfung, 12 wie die Zahl der Apostel bis hin zu 99 verschiedenen Kräutern. Da muss man lange sammeln.

Manche behaupten, der Tee aus diesen geweihten Kräutern wäre dann besonders heilsam. Und früher hat man manchmal auch dem Vieh etwas von den Kräutern ins Futter gemischt oder zum Schutz gegen Blitzschlag ein paar geweihte Kräuter ins Feuer geworfen. Vielen wird heute diese Art des Volksglaubens fremd sein.

Ganz modern ist aber die Rückbesinnung auf Hausmittel und speziell auf Heil- und Gewürzkräuter. Die Wild- und Heilkräuterführungen, etwa an der Volkshochschule, boomen, und meist nehmen vor allem Frauen daran teil. Tatsächlich ist die Beschäftigung mit Heilkräutern und das Wissen um ihre Wirkung eine weibliche Domäne. Hildegard von Bingen etwa, die große Ordensfrau und Heilige unserer Region, wusste um die Wirkung von Kräutern und Speisen auf Körper und Gemüt. Und sie hat dieses Wissen nicht nur angewandt, sondern auch aufgezeichnet. Deshalb kommen manche ihrer Rezepte und Ratschläge auch heute noch zu Ehren.

Ich denke, das Kloster und ihre Berühmtheit haben sie damals auch geschützt. Schließlich mussten im Mittelalter heilkundige Frauen aufpassen, nicht als Hexe verschrien zu werden. Denn Heilung, Entscheidung über Krankheit, Leben und Tod, so sagte man damals, das lag nur in Gottes Hand.

Möglicherweise ist auch das einer der Gründe, wieso sich die Tradition der Kräuterweihe gerade an Mariae Himmelfahrt entwickelt und erhalten hat. Was kirchlich gesegnet war, das konnte nicht schlecht sein. Im Gegenteil, die geweihten Heilkräuter waren dann so etwas wie direkte Geschenke Gottes zum Wohl der Menschen.

Mal schauen, ob ich heute noch die Zeit finde, mich auf Kräutersuche zu machen und morgen die dann segnen zu lassen.

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