Ihr Suchbegriff
Dem Frieden dienen – auch im Kleinen
Bildquelle Pixabay

Dem Frieden dienen – auch im Kleinen

Pia Arnold-Rammé
Ein Beitrag von

Pia Arnold-Rammé,

Katholische Pastoralreferentin, Referentin für Sozialpastoral, Frankfurt

„Natürlich sind wir nun alle tot, die Straße ist hin und wo unsre Stadt früher stand, breitet sich jetzt ein graubrauner Fleck aus. Aber eins muss man sagen, wir haben das Unsre getan, schließlich kann man sich nicht alles gefallen lassen. Die Nachbarn tanzen einem sonst auf der Nase herum.“ – so endet eine Geschichte von Gerhard Zwerenz. Alles beginnt in der Geschichte mit einer Bratpfanne, die sich eine Frau bei ihrer Nachbarin ausleiht und nicht zurückgibt. Der Schriftsteller Zwerenz übertreibt natürlich maßlos, die Geschichte ist komisch und traurig zugleich. Nachbarn, die mit Kanonen aufeinander schießen, so dass die ganze Stadt vernichtet wird? Irgendwie unrealistisch - auch wenn es viel Streit unter Nachbarn gibt. Aber wenn ich an benachbarte Völker denke oder Volksgruppen in einem Land, dann ist das Ganze gar nicht mehr so unrealistisch, sondern leider an vielen Orten der Welt grausame Realität. In Syrien ist es aktuell am schlimmsten. Nicht nur, dass verschiedene Gruppen vor Ort miteinander kämpfen, es mischen sich auch von außen verschiedene Staaten ein. Das verbessert nicht etwa die Lage, sondern macht alles nur noch schlimmer. Keiner will nachgeben, niemand das Gesicht verlieren oder Macht aufgeben. „Nicht alles gefallen lassen“ – so heißt auch die Geschichte von Zwerenz über die zerstrittenen Nachbarn. Ja, das kennen wir aus dem menschlichen Zusammenleben: ich geb doch nicht nach, der oder die andere hat doch den Streit angefangen, was Recht ist, muss Recht bleiben. Diese Spirale der Gewalt und Gegengewalt ist schnell aufgebaut. Aber wer baut sie wieder ab? Wer rüstet ab - im Streit mit Worten und erst recht im Streit mit wirklichen Waffen? Die Stadt zerstören, Menschen töten, siegen im Kampf – aber was bringt’s? Zerstörung, Tod und Leid für viele Menschen.

Auch im Alltag erlebe das: Nachgeben, sich vielleicht auch mal was gefallen lassen, nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, nicht alles so oberwichtig nehmen – das sind Haltungen, die dem Frieden dienen. Nicht immer leicht, im Beruf zum Beispiel oder in der Familie. Aber nur so kann es gelingen, Konflikte zu verhindern oder friedlich beizulegen. Und davon profitieren letztlich alle, im Kleinen wie im Großen. Ich will mir jeden Tag neu Mühe geben. Und ich hoffe: trotz aller Eskalation mögen auch in der großen Politik immer wieder Menschen sein, die das versuchen. Besonders jetzt in Syrien.

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren