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Das Glück und die Last, entscheiden zu können
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Das Glück und die Last, entscheiden zu können

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

Ein guter Freund von mir zieht von Deutschland nach Bolivien, der Liebe wegen. Ich freue mich für ihn und wünsche ihm alles Glück der Welt. Vor allem aber bin ich froh, dass er nach Abwägen von Kopf und Herz und allen möglichen Argumenten eine Entscheidung treffen konnte, mit der er nicht hadert.

Mir selbst fällt das Entscheiden oft schwer, ich überlege hin und her und manchmal frage ich andere um Rat. Die Qual der Wahl eben. Dabei ist es doch eigentlich ein Glück und ein Segen, entscheiden zu können, Wahlmöglichkeiten zu haben! In einer Diktatur kann ich nicht wählen, wen ich in der Regierung haben will. Wenn die Geschäfte weitgehend leer sind, habe ich keine Auswahl, und wenn mir das nötige Geld fehlt, dann stellt sich die Frage erst gar nicht, ob Kino oder Essengehen schöner wäre.

In früheren Zeiten waren die Menschen hierzulande viel weniger frei, wenn es um die Wahl des Berufes, des Partners oder des Wohnorts ging. Vieles war vorbestimmt, vielleicht sogar seit Generationen festgelegt oder ergab sich durch äußere Umstände.

Wenn ich die Bilder der Flüchtlinge in den Lagern weltweit oder die ungleichen Bildungschancen auch hier in Deutschland sehe, dann wünsche ich mir auch heute noch viel mehr Entscheidungsmöglichkeiten für jeden Menschen.

Entscheiden heißt, das Leben gestalten können, aber auch Verantwortung zu übernehmen, für die eigenen Dinge und auch darüber hinaus, mit meinem Lebensstil, mit meiner Art, mit meinem Konsum und so weiter, nochmal mehr, wenn ich mich politisch und gesellschaftlich engagiere. Und eines ist klar: Wenn ich mich nicht entscheide, dann hat das auch Konsequenzen, so wie das Nicht-Wählen-Gehen.

Ein Spezialist in Sachen Entscheidungen ist der heilige Ignatius von Loyola. Der hat zwar schon Anfang des 16. Jahrhunderts gelebt, aber vieles aus seinen Schriften ist heute noch aktuell. Ignatius war ein Mann, der in seinem Leben viele Entscheidungen treffen musste, die einschneidendste war vielleicht, sein Leben als Soldat aufzugeben und sich stattdessen auf einen geistigen Weg zu begeben, als Büßer, Pilger, Gottessucher, Studierender. Später hat er die Gemeinschaft der Jesuiten begründet, einen Orden, der heute noch aktiv ist und dem zum Beispiel Papst Franziskus angehört.

Ignatius betont: Es ist erst mal gut, zu wissen, wo man hin möchte, um die eigenen Entscheidungen danach auszurichten, und er bezieht Gott in seine Pläne mit ein. In einem seiner Werke, dem Exerzitienbuch, hat er eine Methode beschrieben, die er „Unterscheidung der Geister“ nennt. Und die ist, übertragen auf heute, ziemlich modern. Mir hilft sie immer mal wieder, wenn ich Entscheidungen treffen muss.

Es gibt ja verschiedene Entscheidungen: manche kann ich schnell fällen – andere sind vielschichtiger, da muss ich genauer hinsehen. Für solche Entscheidungen rät Ignatiu: Achte und schaue gut auf deine eigenen Gefühle, auf deine Wünsche, Sehnsüchte, Motivationen – und zwar ganz ohne sie gleich zu bewerten (wie wir das ja gerne tun!) Regungen nennt er diese „Geister“, die mich da beeinflussen.

Im zweiten Schritt dann gilt es zu schauen: Wohin wollen mich diesen Regungen leiten? Führen sie zum Guten, führen sie dorthin, wo ich hinwill, oder nicht? Damit lasse ich mir meine Entscheidungen nicht aus der Hand nehmen, unterdrücke aber auch keine Gefühle, auch die nicht, die ich vielleicht gar nicht gerne zugebe.

Diese Entscheidungstipps des hl. Ignatius sind kein Patentrezept, das alle Fragen im Handumdrehen löst. Aber mir helfen sie, mich einzuüben in immer größere Klarheit – und nebenbei lerne ich mich selbst auch besser kennen. Und weiß dann eher, was ich will – und was nicht.

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