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Wie wird Weihnachten?
picture alliance / Arne Dedert

Wie wird Weihnachten?

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt
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Moderation: Der Weihnachtsbaum in Wiesbaden wurde diese Woche aufgestellt. Das wäre sonst keine Nachricht, die einen vom Stuhl reißt. Aber in diesem Krisenjahr ist so viel anders. Da ist es etwas Besonderes, wenn etwas so stattfindet wie sonst. Ein bisschen anders war das Aufstellen natürlich schon – ohne viel Publikum. Dafür zu sehen im Livestream. Nun steht der Baum also vor dem Wiesbadener Rathaus: eine Nordmanntanne aus dem Westerwald. Heiligabend ist noch einige Zeit hin. Aber viele fragen sich jetzt schon: Wie wird Weihnachten? Dazu der hr1 Zuspruch von Pfarrer Martin Vorländer von der evangelischen Kirche.

Ich habe aufgehört, Pläne zu machen. Es kommt in dieser Ausnahmezeit ja doch alles anders. Der Weihnachtsbaum ist so ein Thema. In Wiesbaden steht er seit dieser Woche. Noch ungeschmückt – die 30.000 Lichter und 250 goldenen Schleifen kommen später. Aber er sieht bereits prachtvoll aus mit seinen 25 Metern.

Weihnachtsbaumkauf ohne Advents-Happening

Unseren Weihnachtsbaum für Zuhause kaufen wir normalerweise im Advent bei Nachbarn. Die öffnen ihren Hof und verkaufen Bäume in verschiedenen Größen. Dazu gibt es Glühwein und Bratwürste. Viele aus der Nachbarschaft kommen vorbei. Das ist jedes Mal ein Advents-Happening.

Dieses Jahr fällt das aus. In dem Hof kann man die Schutz-Abstände nicht einhalten. Das ist nur ein Beispiel von vielen, das mir zeigt: Advent und Weihnachten werden anders werden. In diesem Fall ist das nicht wirtschaftlich existenziell. Die Nachbarn leben nicht vom Weihnachtsbaum-Verkauf. Aber es wird etwas fehlen.

Improvisieren

Wir werden improvisieren müssen. Was mir dabei hilft: Das war beim allerersten Weihnachten auch so. Maria und Josef werden sich die Geburt ihres ersten Kindes anders vorgestellt haben. In vertrauter Umgebung, zu Hause in Nazareth mit Familie und Freundinnen in der Nähe, die bei der Geburt helfen können.

Stattdessen müssen sie nach Bethlehem, um sich in die Volkszählungslisten des Kaisers Augustus eintragen zu lassen. In Bethlehem finden sie nur ein Notquartier, in dem Maria ihr Kind bekommt. Ein ordentliches Bett für das Neugeborene gibt es nicht. Also legen sie ihr Kind in eine Krippe, in den Futtertrog für Tiere.

Alles anders als geplant. Improvisiert. Behelfsmäßig. Aber genau so wird es Weihnachten.

Leuchtende Zahl im Fenster und ein kleines Lächeln

Mich motiviert das: Es wird auch dieses Jahr Advent und Weihnachten werden. Und ein bisschen was plane ich doch. Ich bin gerade am Suchen, wie ich im Advent unsere Fenster zur Straße hin gestalten kann. Wenn es klappt, dann jeden Tag mit der leuchtenden Zahl von 1 bis 24 im Fenster.

Ein sichtbarer Adventskalender für die, die draußen vorbeikommen. Dann freu ich mich, wenn die mit einem kleinen Lächeln weitergehen.

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