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Valentinstag - Liebe zwischen Romantik, Religion und Rebellion

Valentinstag - Liebe zwischen Romantik, Religion und Rebellion

Stephan Krebs
Ein Beitrag von

Stephan Krebs,

Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt

Heute wird der Eiserne Steg in Frankfurt sicher noch ein paar Kilogramm schwerer. Diese Fußgängerbrücke verbindet den Römerberg mit dem Museumsufer auf der anderen Seite des Mains. Seit einigen Jahren ist sie das Ziel vieler Liebespaare. Sie bringen an den schmiedeeisernen Geländern ihr Liebesschloss an. Die meisten lassen vorher ihre Namen eingravieren. Dann schnappt das Schloss auf der Brücke zu – für immer, denn die beiden Liebenden nehmen je einen Schlüssel und werfen ihn in den Fluss.

Ein Schloss als Zeichen ihrer Sehnsucht nach immerwährender Liebe und als öffentliches Bekenntnis ihrer Beziehung. Sicher begleitet von einem innigen Kuss auf der zugigen Brücke. Über so viel Romantik mögen andere schmunzeln, insbesondere Ältere, die das Leben schon etwas stärker abgehärtet hat. Aber Vorsicht: Die Liebe ist eine starke Kraft für das ganze Leben.

Solche Brücken mit Liebesschlössern gibt es übrigens inzwischen an vielen Orten. Für die Verantwortlichen sind sie oft ein Grund zur Sorge, denn nicht alle Brücken sind der zunehmenden Zentner-Last gewachsen. Aber die Liebenden wählen sie mit Bedacht aus. Denn Brücken verbinden zwei voneinander getrennte Flussufer miteinander, die das fließende Wasser zuvor getrennt hatte. Heute werden viele Brücken schwerer, weil heute Valentinstag ist, der Tag der Liebenden.

Er gewinnt in Deutschland und Hessen an Bedeutung. Natürlich kräftig gefördert von den Blumenhändlern, die daran verdienen möchten. Ich gönne es ihnen. Zumal es um ein wirklich wichtiges Thema geht. Vielleicht das Wichtigste im Leben überhaupt. Jedenfalls wichtiger als Reichtum. Dafür hat die Bibel diesen kraftvollen Merksatz: „Besser ein Gericht Kraut mit Liebe als ein gemästeter Ochse mit Hass.“ (Sprüche 15,17)

Die Wurzeln des Valentinstags gehen weit zurück, das beweist sein Namensgeber. Valentin war der Überlieferung nach ein Bischof in Italien. Ungefähr 260 nach Christus. Damals wollte der römische Kaiser das Christentum unterdrücken. Trotz des kaiserlichen Verbotes hat Valentin Liebende gesegnet und christlich getraut. Er tat es, weil er in den Liebenden auch die Liebe Gottes erkannte und feierte. Der Kaiser erkannte darin allerdings nur Ungehorsam und ließ ihn töten.

Liebe ist eine Macht auf Leben und Tod. Nichts treibt die Menschen so sehr um wie die Liebe – die Sehnsucht danach, die Angst davor, die Freude darüber, die Verzweiflung daran. Liebe kann grenzenlos glücklich machen und grenzenlos unglücklich. Im Laufe eines Liebeslebens nimmt sie verschiedene Gestalten an. Sie reichen von heißem Verlangen bis hin zu einem stillen umhüllenden Gefühl der Geborgenheit. In jedem Fall ist die Liebe eine starke Energiequelle. Darüber hat die Bochumer Popgruppe Frida Gold einen Song gemacht. Er heißt: „Liebe ist meine Rebellion“.

Musik: „Liebe ist meine Rebellion“ von Frida Gold

"Meine Zeit ist jetzt, mein Gold ist warm und glänzt, und nichts kann mich halten, nichts kann mich halten. Mein Herz pulsiert, es ist Zeit, das was passiert, ich will nicht mehr warten, ich will nicht mehr warten. Ich kann die Angst in Deinen Augen sehen und ich kann nicht anders, als aufzustehen, um zu zeigen, dass es anders geht, dass die Hoffnung lebt."

Die Liebe drängt nach vorne, sie macht Angst vor Verlust, aber sie kann auch helfen, die Angst zu überwinden. Offen bleibt in dem Lied, welche Liebe eigentlich gemeint ist. Liebespaare fallen einem natürlich zuerst ein, denn die Welt der Popsongs ist voll von ihnen. Aber Liebe ist noch viel mehr. Eltern lieben ihre Kinder und Enkel, Kinder lieben ihre Eltern und Großeltern, auch ihre Freunde. Mancher liebt einen bestimmten Ort oder einen besonderen Gegenstand.

Mancher liebt schlicht das Leben an sich. Jesus sagt in seiner berühmten Bergpredigt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Und: Liebe sogar deine Feinde.“ (Matthäus 5) Spätestens hier wird klar: Liebe ist mehr als ein romantisches Gefühl, mehr als eine zwischenmenschliche Sympathie. Liebe ist auch eine Haltung. Eine Haltung zu sich selbst und zum Leben generell – eine Haltung des Respekts, der Wertschätzung und der Fürsorge.

Aber wo soll diese Haltung her kommen? Das weiß Valentin, der Namensgeber des heutigen Tages. Denn er sieht in den Liebespaaren die Liebe Gottes am Werk. Das mag einem auf den ersten Blick etwas steil erscheinen. Aber auch viele Popsongs, die von der Liebe handeln, schlagen diesen weiten Bogen. In ihnen erscheint die Liebe als ein Geschenk Gottes und manchmal auch als geradezu übermenschliche Aufgabe. Ganz offenbar spüren viele: Die Liebe hat eine Tiefe, die sich in irdischen Grenzen allein nicht beschreiben lässt. Dem spürt auch die Popgruppe Frida Gold nach.

Musik: „Liebe ist meine Rebellion“ von Frida Gold

"Kein Gesetz, kein Gebet, du gibst mir was mir fehlt, und ich bin dem Himmel so nah, dem Himmel so nah. Ich kann die Angst in Deinen Augen sehen und ich kann nicht anders als aufzustehen, um zu zeigen, dass es anders geht, dass die Hoffnung lebt."

Für Frida Gold schenkt die Liebe Hoffnung und sie öffnet den Himmel. Aber ohne Gesetz und ohne Gebet. Als bewusst christlich oder gar kirchlich will die Popgruppe wohl nicht verstanden werden. Aber dennoch sieht sie in der Liebe etwas Göttliches.

Die Bibel wird da noch deutlicher. Johannes schreibt in seinem ersten Brief an eine Gemeinde: „Ihr Lieben, wir wollen einander lieben. Denn die Liebe kommt von Gott. Und wer liebt, hat Gott zum Vater und kennt ihn. Wer nicht liebt, kennt Gott nicht. Denn Gott ist die Liebe. Niemand hat Gott jemals gesehen. Aber wenn wir einander lieben, ist Gott in uns gegenwärtig. Dann hat seine Liebe in uns ihr Ziel erreicht.“

Das klingt schön, geradezu romantisch. Dabei richten sich diese Worte nicht allein an verliebte Paare, sondern an alle Menschen. Hier geht es um die Liebe als Haltung, als Lebensprinzip. Und zwar nicht nur im geschützten Rahmen einer Zweierbeziehung. Da ist es oft noch recht einfach, miteinander liebevoll umzugehen. Obwohl auch das manchmal schon schwer genug ist. Aber wenn die Liebe eine Haltung zum ganzen Leben ist, dann gilt die überall. Wie kann man das konkret leben?

Gott macht es vor. Er zeigt, wie seine Liebe gemeint ist. Dafür wird er in Jesus Christus selbst ein Mensch: Ein sterblicher, ein verletzlicher Mensch. Er feiert mit Freunden und betet für seine Feinde. Er heilt Kranke und geht auf Ausgestoßene zu. Er nimmt die Schwachen in Schutz und holt die Mächtigen von ihrem Sockel. Er ermutigt die Ängstlichen und irritiert die allzu Schlauen. Jesus liegt das Leben aller am Herzen. So lebt er die Liebe Gottes.

Zu ihr gehören Respekt, Wertschätzung und Fürsorge. Nicht nur für die, die man kennt und mag. Sondern für alle. Das ist eine echte Provokation – zumal in kalten Zeiten. Das ist auch der Popgruppe Frida Gold bewußt, wie sie im Refrain ihres Songs zeigt.

Musik: „Liebe ist meine Rebellion“ von Frida Gold

"Love is my rebellion love is my. Liebe ist meine Rebellion. Love is my rebellion, love is my, Liebe ist meine Religion."

Der Refrain des Liedes ist ein tiefsinniges Spiel mit drei Worten. Liebe ist meine Religion, ist meine Rebellion. Ich finde: Ein starkes Wortspiel! Liebe als Religion – also Liebe als Urgrund allen Seins. Da gehe ich als Christ gerne mit. Denn hier wird deutlich: Das Lied handelt nicht nur von rosaroter Beziehungsromantik wie so viele Popsongs. Vielmehr spricht es von der Liebe als einer tiefgreifenden Haltung zum Leben.

In dieser Haltung steckt eine Rebellion, findet Frida Gold. Das klingt nach Liebe als einem gesellschaftlichen Kampfbegriff? Genauso ist es von den Musikern der Popgruppe gemeint. Das haben sie in einem Zeitungsinterview deutlich gemacht. Sie verstehen das Lied als ein Signal an die Gesellschaft. Die Gruppe ist sich bewusst, dass ihre Meinung als Popstars öffentlich etwas bedeutet. Was sie sagen und singen, zählt bei vielen viel.

Deshalb wollen sie ernsthaft von dem singen, was ihnen wichtig ist: Dazu gehört die Liebe als eine kritischen Kraft, die die Kältezonen unserer Gesellschaft in Frage stellt. Von der Liebe als einer Kraftquelle für mehr Mitmenschlichkeit und mehr Gerechtigkeit. Genau darum geht es auch Jesus, wenn er sagt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Und Liebe deine Feinde.“ Liebe als rebellische Haltung für eine achtsame Welt, in der jedes Leben etwas zählt.

Musik: „Liebe ist meine Rebellion“ von Frida Gold

"Love is my rebellion. Liebe ist meine Rebellion. Love is my rebellion. Liebe ist meine Religion."

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