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Pilgern im Taunus
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Pilgern im Taunus

Christoph Wildfang
Ein Beitrag von

Christoph Wildfang,

Evangelischer Pfarrer, Arnoldshain
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Jedes Jahr pilgere ich auf dem Laurentiuspilgerweg. Der liegt im Taunus und führt direkt bei mir vorbei. Er verbindet im Usinger Land drei Laurentiuskirchen. Die Arnoldshainer Laurentiuskirche mit den zwei Laurentiuskirche in Usingen. 22 Kilometer misst der Weg. Zwei Mal im Jahr begehe ich diesen Weg. Oft mit Leuten aus der Kirchengemeinde.  Zusammen nageln wir neue Hinweis-Schilder für den Pilgerweg an die Bäume oder an Masten. Schneiden Zweige zurecht, die über den Weg hängen, entfernen Stolperfallen. Reden mit Leuten an den Hecken und Hoftoren. Und oft schweigen wir auch. Mir tut es gut, dieses Pilgern. Ich kenne inzwischen jede Kurve und jede Kreuzung. Vor ein paar Jahren habe ich mir diesen Weg ausgedacht. Andere haben das begeistert aufgenommen und füllen den Weg mit Leben. Tun ihn unter ihre Füße. Mit Frauen- oder Männergruppen. Mit Familien oder Kollegen. Nun ist der Weg auf vielen Karten eingezeichnet. Er hat eine eigene Homepage.

Ein Geheimnis des Pilgerns ist: Sei offen! Offen für kleine Spuren. Für kleine Dinge. Oft bleibe ich stehen: ein Specht. Wie das Licht durch die Bäume bricht. Wie sich die Natur im Weiher spiegelt. Ausblicke auf den Pferdskopf, einen Taunusberg. Das Geblöke von Schäfchen. Das ist wohl ein Geheimnis: nicht das Große, die Sensation zu erwarten. Im Hier und Jetzt das aufnehmen, was der Tag bereithält. Für mich ist die Schönheit der Natur ein Gottesgeschenk. Ausblicke, Einblicke. Knorrige windzerzauste Obstbäume. Fichten, die schon ganz gebeugt sind. Umgestürzte Bäume, die sich in der Natur wieder verändern. Neues Leben entwickelt sich aus dem morschen Holz. Neue  Triebe. Heimat für kleinere Lebewesen. Manchmal sitzen wir mit auf dem Weg still nebeneinander. Lassen Bilder und Gedanken kommen und gehen. Manchmal fühle ich mich in gutem Sinne ganz leer. Offen für Neues, was kommen kann. Aufnehmen, was kommen mag. Das ist Pilgern.

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