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Neujahrsvorsätze
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Neujahrsvorsätze

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden
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Für manche meiner Bekannten ist es wichtig, dass sie sich für das neue Jahr etwas vornehmen. Der eine will mit dem Rauchen aufhören, der andere mehr Sport betreiben, wieder ein anderer möchte endlich mal mehr seinem Hobby nachgehen.

Ich habe mir nichts vorgenommen. Ich halte es mit einem Satz von Richard von Weizsäcker: „Es geht nicht um große Taten, die wir uns vornehmen. Es geht um die Pflichten und Freuden eines jeden Tages.“ So sehe ich das auch. Ich habe das selbst schon erlebt: Solche allzu radikalen Vorsätze wie: „Ich rauche von nun an nicht mehr,“ oder: „Ich mache jetzt jede Woche mindestens zweimal Sport,“ oder etwa in der Fastenzeit: „Ich gönne mir abends auf der Couch kein Knabbergebäck oder Süßes,“ solche Vorsätze führen - jedenfalls bei mir - oft schon nach kurzer Zeit zur Kapitulation. Ich schaffe das nicht, so radikal zu sein, und ich bewundere Leute, die so etwas können.

Bei mir ist das anders. Ich fokussiere mich auf den Tag, der vor mir liegt, und schaue auf das, was ich heute schaffen kann. So habe ich es zum Beispiel geschafft, so gut wie gar nicht mehr zu rauchen. Einfach, indem ich mir viele Tage gesagt habe: „Nein, heute rauche ich mal nicht.“ Und trotzdem halte ich mir die Option offen, es morgen anders zu machen, wenn mir danach ist.

„Es geht nicht um große Taten, die wir uns vornehmen. Es geht um die Pflichten und Freuden eines jeden Tages.“ So sehe ich das auch mit meinem Leben. Es geht mir nicht darum, einen Jahresplan für mich zu entwickeln: Das will ich am Ende des Jahres erreicht haben. Nein. Es geht mir darum, das was ich in meinem Alltag überschauen kann, so gut wie möglich zu meistern.

Michael Ende hat das einmal in einer wundervollen kleinen Geschichte vom Straßenkehrer Beppo verdeutlicht: Der alte Straßenkehrer Beppo verrät seiner Freundin Momo sein Geheimnis. Das ist so:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude.“

Ich glaube, dieses Rezept von Beppo, dem Straßenkehrer, ist - jedenfalls für mich - das richtige Rezept. Ich nehme mir nicht zu viel vor. ich plane nicht schon alles bis zum Ende durch. Ich versuche meine Pflichten als Seelsorger, Vater oder Lehrer so gut es geht heute zu erfüllen. Und mit diesem Weg erlebe ich auch viel Freude im Alltag. Und was heute nicht gelungen ist, kann morgen gelingen.

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