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Mein Freund Raphael
Bild: David Mark/Pixabay

Mein Freund Raphael

Carmen Jelinek
Ein Beitrag von

Carmen Jelinek,

Evangelische Dekanin, Kirchenkreis Kaufungen
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Mein Freund Raphael ist 18 Jahre alt. Alle nennen ihn Raffi. Er sitzt im Rollstuhl. Er hat sich was vorgenommen: Raffi will unbedingt anderen Menschen helfen! Er ist eine schmale Person, hat aber viel Kraft in den Händen. Er spielt in der bayrischen Landesliga Rolli-Basketball. Im Rollstuhl ist er stark und ausgesprochen wendig. 

Raphael geht zur Feuerwehr

Eines Tages sagt er zu seinen Eltern: "Ich bin heute Abend bei der Feuerwehr!" Die Eltern haben so ihre Bedenken und fragen: Was willst du denn da? Und Raffi hört in dieser Frage mit „die können dort doch niemanden im Rollstuhl gebrauchen“. Doch Raffi bleibt bei seinem Vorhaben: Er kennt schon viele bei der Feuerwehr und er ist besonders kontaktfreudig.

Es hat nicht lange gedauert, da hat Raffi zum Erstaunen der anderen Freiwilligen im hohen Feuerwehrfahrzeug gesessen. Wie er das geschafft hat, ist allen ein Rätsel. Später lacht er darüber und räumt ein: "Einsteigen geht gut, aber es ist sehr schwierig, die Hydranten aufzukriegen!"

Er sagt: "Ich möchte gern helfen!"

Vor seinem ersten Einsatz habe ich ihn gefragt: "Warum möchtest Du zur Feuerwehr?" Er sagt: "Ich möchte anderen gern helfen!"

Ich schlucke und denke: Mann, du brauchst doch selbst Hilfe und willst jetzt anderen helfen?

Dann denke ich. Ja, er hat Recht. Auch wenn man Hilfe in einigen Dingen braucht, ist es gut, mit seinen Stärken anderen zu helfen.

"Gut, dass wir einander haben", heißt es einem Lied

Ganz im Sinne des Liedes von Manfred Siebald, einem christlichen Liedermacher. Da heißt es in einem Lied: "Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freude, Kräfte teilen und auf einem Wege gehen." Dieses Lied wird in unserer Gemeinde sehr laut und voller Überzeugung gesungen. Das liegt nicht nur an der eingängigen Melodie. In der dritten Strophe heißt es: "Keiner ist nur immer schwach, und keiner hat für alles Kraft. Jeder kann mit Gottes Gaben das tun, was kein anderer schafft." Das spricht aus dem Leben.

Jede und jeder kann was geben

Eine ermutigende Botschaft: Jeder kann etwas geben! Natürlich stärkt das auch das eigene Selbstwertgefühl, wenn ich helfe. Denn es gibt ja meistens auch Lob und Anerkennung dafür. Für meinen jungen Freund Raffi ist es auch wichtig zu erleben: Ich kann auch helfen. Das stärkt sein Selbstbewusstsein. Aber ich finde es auch toll, zu sehen, wie empathisch er ist und die Bedürfnisse und Nöte anderer Menschen sieht. Sein Leben kreist nicht nur um sich selbst. Im Gegenteil, er verrichtet im Alltag wie selbstverständlich alles, was er kann. Aber er hat auch die Stärke, sich einzugestehen, was nicht geht und andere direkt zu fragen: "Kannst Du mir eben mal helfen?"

Sich ehrenamtlich einbringen

Raffi orientiert sich gerade, wo er sich ehrenamtlich einbringen kann. Das muss ja nicht gerade bei den Löscharbeiten der Feuerwehr sein. Aber er kann verständnisvoll zuhören und organisieren.

Er wird seinen Platz finden. "Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freude, Kräfte teilen und auf einem Wege gehen."

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