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Kratzbürste
Bildquelle: pixabay

Kratzbürste

Simone Twents
Ein Beitrag von

Simone Twents,

Referentin für Glaubenskommunikation und Pastorale Innovation, Fulda
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Kürzlich auf einer wunderschönen Fahrradtour höre ich auf einmal: Miau! Ich habe ein Katzenbaby gefunden. Am Straßenrand im Grünen. Sehr süß, ein kleines schwarzes Wollknäuel mit ganz großen Augen. Es guckt mich an, so wehrlos, so hilflos. Es muss jemand da ausgesetzt haben. Das kann ich nicht so lassen, da muss ich etwas machen. Ich will dieses Leben retten.
Und dann fing es an: Kratz, beiß, fass mich ja nicht an - und schwupp (verschwindet es) in die Brombeerhecke. Oh Gott, wie kriege ich jetzt diese Katze da wieder raus? Wie kann ich sie einfangen, weil ich sie doch retten will?
Ich habe gedacht: Ich will dir nur helfen, Katze, ich will, dass du lebst! Und dann war es echt ein Akt, dieses winzige Kätzchen zu suchen. Einerseits hat sie sich versteckt und andererseits wollte sie aber auch gefunden werden. Sie hat immer wieder ganz kläglich "Miau!" gesagt. Gleichzeitig wollte sich das Kätzchen aber auch nicht zeigen. Als ich sie schließlich gefunden habe, hat sie mich dann sogar gekratzt und gebissen. Das hat erst aufgehört, als ich das schwarze Fellknäuel sicher in den Händen hatte. Und ich habe mir im Nachgang gedacht: "Bin ich nicht auch oft so gegenüber Gott?" Der mir nur Gutes will, der sagt: "Ich will, dass du lebst, ich will dich retten, ich will dich bergen, ich will dir ein zu Hause geben." Und ich kratze, beiße und wehre mich mit Händen und Füßen, weil ich denke: "Der will mich packen, der will mir was." Ich habe Angst, ich wehre mich. Oder ich verstecke mich, aber gleichzeitig will ich auch irgendwie gefunden werden. Und ich sage: "Lieber Gott, Miau, bitte finde mich doch! Behalte mich bei dir und gib mir Leben."

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