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Klopp und sein "Sorry, ich war ein Idiot!"
Nigel Keene/Picture Alliance

Klopp und sein "Sorry, ich war ein Idiot!"

Pia Baumann
Ein Beitrag von

Pia Baumann,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt-Bockenheim
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Moderator/Moderatorin: Jürgen Klopp hat sich entschuldigt. „Sorry, ich war ein Idiot“, hat Klopp am Mittwoch bei einer Pressekonferenz gesagt. Viele finden: Damit hat er menschliche Größe gezeigt. Worum ging‘s und war das wirklich so außergewöhnlich, was Klopp gemacht hat? Dazu der hr1 Zuspruch von Pfarrerin Pia Baumann von der evangelischen Kirche.

Jürgen Klopp trägt sein Herz auf der Zunge. Das macht ihn für viele so sympathisch. Dass das aber nicht immer nur schön ist, konnte man vergangene Woche erleben. Auf einer Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel des FC Liverpool gegen RB Salzburg. Der Kapitän der Mannschaft aus Liverpool spricht gerade darüber, was er von dem Spiel erwartet. Ein Dolmetscher übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche.

Aber das nicht korrekt, findet Jürgen Klopp. Er fällt dem Dolmetscher ins Wort. „So geht das nicht“, sagt er und kanzelt den Mann ab: „Blöd, wenn ein deutschsprachiger Trainer danebensitzt. Sie müssen schon zuhören, sonst kann ich das auch übersetzen. Das ist ja nicht so schwer.“

Reumütig

Zwei Tage später, wieder auf einer Pressekonferenz, zeigt Klopp sich reumütig: „Sorry, ich war ein Idiot“, sagt er zu dem Dolmetscher. Es sei nicht in Ordnung gewesen, wie er seinem Ärger vor allen Leuten Luft verschafft hat. Klopp wörtlich: „Dafür möchte ich mich entschuldigen.“ Und reicht dem Dolmetscher die Hand.

Die normalste Sache der Welt: Sich entschuldigen

In den sozialen Medien wird Klopp dafür gefeiert. Er sei ein Mensch, der zu seinen Fehlern steht und sich entschuldigt. Das sei nicht selbstverständlich. Dabei sollte „Sich entschuldigen“ die normalste Sache der Welt sein. Finde ich. Jeder macht hin und wieder was falsch. „War mein Fehler – tut mir Leid.“ Das zu sagen, fällt vielen schwer. Mir auch.

Es gehören immer mindestens zwei dazu

Woran liegt das? Vielleicht daran, dass man sich nicht selbst „ent-schuldigen“ kann. Man kann eigentlich nur um Verzeihung bitten. Und dann muss man abwarten, ob der andere die Entschuldigung annimmt. Das ist nicht leicht. Vor allem, wenn es um mehr geht als nur ein Glas verschüttete Milch. Wenn ich wirklich Mist gebaut habe, dann kann es sein, dass der andere sagt: „Nö. Nicht vergeben.“ Und dann?

Im Vaterunser bete ich: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Ich finde, das ist eine der wichtigsten Bitten überhaupt. Sie drückt aus: Es gehören immer mindestens zwei dazu. Einer, der um Entschuldigung bittet, und einer, der die Entschuldigung annimmt und sagt: „Alles wieder gut.“

Ja, Jürgen Klopp hat Größe gezeigt mit seinem „Sorry, ich war ein Idiot. Tschuldigung!“. Größe hat aber auch der Dolmetscher gezeigt. Der hat die Entschuldigung angenommen und gesagt: „Eine wunderbare Geste!“ Dafür feiere ich ihn!

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