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Erlaubt, aber nicht nützlich
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Erlaubt, aber nicht nützlich

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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„Nicht alles, was erlaubt ist, muss man auch machen.“ Den Satz höre ich derzeit oft, von Politikern und Virologinnen. Es geht natürlich darum: Wir sollen nicht alles, was in Corona-Zeiten erlaubt ist, bis ins Letzte ausreizen. Freunde treffen, einkaufen gehen, Konferenzen abhalten: Vieles ist ja nach wie vor erlaubt mit dem gebotenen Schutz. Die Frage ist nur: Was muss wirklich sein? Was lasse ich, auch wenn ich es eigentlich dürfte?

In Frage stellen, was ich wirklich brauche

Als Kirchenfrau muss ich da, sorry J, an die Bibel denken. Da gibt es nämlich einen ganz ähnlichen Spruch. „Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt.“ (1 Korinther 10,23) Das schreibt der Apostel Paulus an seine Gemeinde in Korinth. Es geht um einen Streit zwischen Christen, die aus der jüdischen Tradition kommen, und Christen, die früher griechische Götter angebetet haben. Sie haben unterschiedliche Einstellungen darüber, was man essen darf und was nicht. Und Paulus gibt seiner Gemeinde den Ratschlag: Glaube an Christus befreit. Ihr seid so frei und könnt essen, was ihr wollt. Aber wenn andere Christen sich unwohl fühlen, dann lasst es einfach sein. Freiheit heißt: Ich bin frei, etwas zu tun – oder es zu lassen. Paulus schreibt: „Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt. … Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen!“ (1 Korinther 10,23-24)

Die Freiheit, Dinge einfach sein zu lassen

Für mich ist das ein guter Ratschlag auch für jetzt. Ich will nicht nur an mich denken, was ich gern täte und erleben würde. Sondern auch an das, was anderen nützt. Und im Moment natürlich besonders: was andere schützt. Auch wenn ich vielleicht für mich keinen schweren Covid 19-Krankheitsverlauf befürchte (und sicher sein kann ich ja nie): Ich lasse Dinge sein, weil ich andere damit schütze.

Dem Apostel Paulus damals war die Freiheit sehr wichtig. Ich soll nicht nur sklavisch Gesetze befolgen. Ich bin frei. „Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt.“ In Corona-Zeiten heißt das für mich: Ich nehme mir die Freiheit und lasse Dinge, die ich darf, einfach sein.

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