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Endlich nicht mehr Weihnachten?
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Endlich nicht mehr Weihnachten?

Prof. Dr. Markus Tomberg
Ein Beitrag von

Prof. Dr. Markus Tomberg,

Professor für Religionspädagogik, Fulda und Marburg
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In manchen Kirchen stehen sie noch immer: Christbäume und Krippen. Auch Weihnachtslieder werden noch gesungen. Mancherorts geht das so bis Anfang Februar. Während anderswo Karneval und Fastnacht zur Hochform auflaufen, scheint das Christentum aus der Zeit gefallen zu sein.
Hinter der beinahe nicht endenden Weihnachtszeit stecken alte Traditionen. Nicht alle sind christlichen Ursprungs. Schon Weihnachtsbäume erinnern an uralte Fruchtbarkeitskulte: Auch im kommenden Jahr soll die Erde Frucht geben. Die Zeitspanne von vierzig Tagen zwischen Weihnachten und Anfang Februar verweist auf alte jüdische Riten. Nur die Krippen, die sind zwar durch und durch christlich. Aber die historische Wirklichkeit der Geburt Jesu zeigen die hierzulande üblichen Darstellungen keineswegs. Den Traditionsmischmasch, der da entstanden ist, bezeichnen Religionswissenschaftler als Synkretismus: Riten, Bräuche und Vorstellungen verschiedener Religionen verbinden sich zu etwas Neuem.

Gefühlt aber ist Weihnachten schon längst graue Vergangenheit. Spätestens ab dem 27. Dezember werden im Radio keine Weihnachtslieder mehr gespielt. Die Sternsinger, die in den letzten Tagen noch vereinzelt unterwegs waren, wirkten wie versprengte Nachzügler des großen Festes. In katholischen Kirchen gilt gewissermaßen offiziell: Ab heute ist wieder richtig Alltag. Erkennbar weniger durch Lieder und Deko als durch eine Farbe: Ab heute dominiert in den Gottesdiensten wieder Grün. Bis gestern war weiß die wichtigste Farbe.
Weihnachten: Das ist ein Fest voller Ungleichzeitigkeiten. Unscheinbare Farben markieren Zeitenwenden. Die Festzeit wird ganz unterschiedlich lang begangen. Die Bräuche vermischen Religionen und Zeiten. Es ist längst kein exklusiv christliches Fest mehr. Sondern eines, das alle einlädt und niemanden zu etwas zwingt.

Das ist tatsächlich ein wenig aus der Zeit gefallen. Und gerade deshalb wichtig. Weihnachten erzählt etwas von einer unbändigen Integrationskraft. Christen glauben: Die kommt von Gott selbst. Der integriert alles Menschliche, indem er Mensch wird. Diese Geschichte fasziniert – unabhängig von Terminfragen. Alle sind eingeladen – ganz gleich, wann Weihnachten wirklich endet.

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