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Ein Hospiz wird Haus des Lebens
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Ein Hospiz wird Haus des Lebens

Rüdiger Kohl
Ein Beitrag von

Rüdiger Kohl,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt-Bockenheim
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Seit 11 Jahren leitet Dagmar Müller das Evangelische Hospiz in Frankfurt. Hierher kommen Menschen am Ende ihres Lebens. Hier können sie selbstbestimmt und in Würde sterben. Dagmar Müller sagt: „Wir nehmen die Sterbenden in unsere Fürsorge. Sie werden von ihren Angehörigen und den Pflegepersonen im Haus begleitet. Es ist ihr letzter Lebensort.“ Deshalb ist ihr Leitsatz: „Das Hospiz ist ein Haus des Lebens.“

Das Hospiz ist ein guter Ort für Sterbenskranke

Daran erinnert der heutige Deutsche Hospiztag. Den gibt es seit mehr als zwanzig Jahren immer am 14. Oktober. Um mit vielen Veranstaltungen ins Bewusstsein zu rücken: Das Hospiz ist ein guter Ort für Sterbenskranke. Es ist ein Haus des Lebens.

Ein Haus des Lebens

Das Haus in Frankfurt hat 12 Zimmer. 30 Tage verbringen die Patienten im Durchschnitt hier. Manche sind zu Beginn noch mobil und gehen spazieren. Das tut ihnen gut. Und für viele ist das Essen sehr wichtig. Dagmar Müller erzählt: „Wir fragen die Patientinnen und Patienten, was sie essen möchten. Manche haben nicht mehr die Kraft, alleine zu essen und zu trinken. Wir helfen ihnen dabei. Und manchmal genügt schon der Duft eines Essens, um gute Gefühle wachzurufen. Wir sagen hier: „Die Küche ist so etwas wie ein Laboratorium des Trostes.“

Psalm 23 gibt Trost

Menschen in dieser Phase zu begleiten: Das ist eine schwere Aufgabe. Dagmar Müller hat täglich mit dem Tod zu tun. Mit Abschieden. Was ist ihre eigene Kraftquelle? Sie sagt: „Die Psalmen aus der Bibel sind mir nahe. Etwa der Psalm 23. Da wird von Gott in fürsorglichen Bildern erzählt. Er ist wie ein Hirte, der seine Schafe behütet und durch die dunklen Täler führt. Und wie ein guter Gastgeber, der den Menschen einen Tisch deckt. So dass es ihnen an nichts fehlt.“

Für Angehörige ist der Abschied wie ein dunkles Tal

Das Bild vom fürsorglichen Gott leitet sie und ihre Kolleginnen und Kollegen. Dabei haben sie auch die Angehörigen im Blick. Für sie ist der Abschied wie ein dunkles Tal. Manche leiden unter Schuldgefühlen, weil sie es nicht schaffen, ihre Lieben bis zum Ende zu Hause zu pflegen. Hier haben sie einen Raum, wo sie über ihre Gefühle sprechen und den Abschied gestalten können. Oder auch Offenes und Strittiges ansprechen können. Außerdem können sich nach langen Phasen der Pflege ausruhen. Das entlastet sie.

Das Leben ist endlich

So haben die Angehörigen die Chance, über das eigene Leben nachzudenken. Dagmar Müller erzählt: „Dieses Haus des Lebens erinnert mich immer wieder daran: Das Leben ist endlich. Ich kann mich fragen: Kann ich Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden? Lebe ich so, wie ich eigentlich leben will? Gerade in der Coronazeit sehen viele Menschen: Wir haben nicht alles unter Kontrolle. Das Leben ist bedroht. Und kostbar.


 

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