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Dr. Elisabeth Krause-Vilmar
Ein Beitrag von

Dr. Elisabeth Krause-Vilmar,

Evangelische Pfarrerin, Bad Vilbel
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Ich bin in Kassel geboren und aufgewachsen. Da gehörte die Kunstausstellung documenta als großer Spielplatz alle paar Jahre dazu.

Am liebsten habe ich mit meinen Freunden auf dem Signalturm der Hoffnung gespielt.
Das Besondere daran war, dass wir jeden Tag höher klettern konnten.
Der Künstler Mo Edoga sammelte Schwemmholz und andere weggeworfene Materialien  und baute aus ihnen einen Turm.
Nicht das fertige Produkt war sein Ziel, sondern der Weg dahin.
Langsam und mit großer Sorgfalt verknüpfte er die Hölzer und verlieh damit der Konstruktion große Stabilität, sodass wir Kinder aus Kassel auf ihm spielen konnten.
Aus dem ganzen Müll wurde ein toller Spielplatz.
Aus wertlosen Gegenständen wurde ein Turm der Hoffnung.
Aus fremden Kindern wurden Freunde.
Was daran Kunst war, wusste ich als Kind nicht und es war mir auch nicht wichtig.

Es war ein Kunstprojekt der 9. documenta im Jahr 1992.
Vor 62 Jahren fand in Kassel die erste documenta statt.
Ein Ziel war es, der von den Nationalsozialisten verfolgten Kunst wieder ein öffentliches Forum zu geben.
Aufgrund des großen Erfolgs fanden seit 1955 weitere documenta-Ausstellungen in Kassel statt.

Gerade ist es wieder soweit.
In Kassel und Athen sind Kunstwerke der 14. documenta zu sehen. 
Die Ausstellung ist eine Irritation für die Betrachter.
Es gibt keinen erklärenden Katalog.
Das Umherirren und Nicht-Verstehen gehört zum Konzept.
Sie will herausfordern, der Welt den Spiegel vorhalten, beleben, Mut machen und Zusammenhalt stiften. So wie damals uns Kindern.

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