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Der Countdown läuft - noch zehn Tage bis "O du fröhliche"
Bildquelle epd/Maik Schuck

Der Countdown läuft - noch zehn Tage bis "O du fröhliche"

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Der Countdown läuft. In zehn Tagen ist Weihnachten. Für mich wird es Weihnachten, wenn an Heiligabend in der Kirche am Ende des Gottesdienstes das Licht gedimmt wird. Nur der Christbaum leuchtet, und alle singen: „O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!“ Dann habe ich immer mindestens eine Träne im Knopfloch.

„O du fröhliche“ gehört für mich zu Weihnachten unbedingt dazu. Dabei war es ursprünglich gar kein reines Weihnachtslied. Johannes Daniel Falk, sein Dichter, hat es gleich für drei Feste geschrieben, für Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Er hat auch eine Strophe mit „O du fröhliche Osterzeit“ und eine Strophe mit „O du fröhliche Pfingstenzeit“ gedichtet. Aber das hat sich schon zu Falks Lebzeiten nicht durchgesetzt. „O du fröhliche“ wurde eine reines Weihnachtslied.

In nur sechs Worten drückt Falk aus, worum es an Weihnachten geht: „Welt ging verloren. Christ ist geboren.“ Wie verloren man sich in der Welt fühlen kann, das wusste Falk ganz genau. Er hat das Lied für Waisenkinder geschrieben, um die er sich in Weimar gekümmert hat. Waisenkinder gab es damals 1816 viele. Der Krieg gegen Napoleon war gerade vorbei. Auf dem Schlachtfeld haben viele Kinder ihre Väter verloren. Und mit dem Krieg kam eine Typhus-Epidemie, an der viele gestorben sind. Falk selber hat durch die Seuche vier seiner Kinder verloren. Umso mehr wollte er Kindern ein Zuhause geben, die vater- und mutterseelenallein auf der Welt sind.

Welt ging verloren. Die Situation und das Gefühl kennen viele. Wer einen Verlust zu verkraften hat, einen Schicksalsschlag nach dem anderen, wer darunter leidet, was Menschen anderen antun, kann manchmal verzweifeln. Welt ging verloren. Aber Johannes Falk, der Dichter von „O du fröhliche“, wollte nicht bei der Verzweiflung stehen bleiben. Er dichtet weiter: „Welt ging verloren. Christ ist geboren.“ Die Welt ist nicht gottverlassen. In Jesus Christus, dem Kind in der Krippe, kommt Gott selbst in die Welt. Das war für Johannes Falk der Grund zu der Hoffnung: Die Welt ist nicht verloren. Und Grund, um sich zu freuen: O du fröhliche.

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