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Albert Schweitzer zum Geburtstag

Albert Schweitzer zum Geburtstag

Ein Beitrag von

Helwig Wegner-Nord,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

Neben meinem Schreibtisch hängen ein paar Bilder von Menschen, die mir etwas bedeuten. Eins davon zeigt Albert Schweitzer, an dessen Geburtstag am 14. Januar ich heute denke. Mich hat Albert Schweitzers Lebensgeschichte schon beeindruckt, als ich ein Kind war. Seine Jahre im Elsass und in Afrika, wie er Theologie studiert hat und Orgelfachmann wurde und dann auch noch ein Medizinstudium absolviert hat, um als Arzt nach Westafrika zu gehen.

Was bis heute für mich Bedeutung hat, ist die Frage, mit der sich Albert Schweitzer sein Leben lang befasst hat: was ist der Platz des Menschen? Ist der Mensch die Krönung der Schöpfung und herrscht er darum über alles oder sind die Menschen ein Teil des Ganzen? Dürfen wir Tiere töten oder versündigen wir uns, wenn wir es tun? Die Sache ist ganz schön kompliziert. Denn selbst wenn ich Gottes schöne Schöpfung schonen will, wenn ich mich vegetarisch oder sogar vegan ernähre, – dass die einen auf Kosten der anderen leben, kann ich nicht verhindern. Schon wer ein paar Schritte über die Wiese geht, nimmt vielen kleinen Lebewesen das Leben.

Albert Schweitzer hat die angemessene Haltung des Menschen mit den Worten beschrieben „Ehrfurcht vor dem Leben“. Es gibt nicht nur ein menschliches Recht auf Leben. Auch Tiere, sogar Pflanzen, alles, was lebendig ist, will leben und darf leben wollen. Und wird doch immer wieder daran gehindert, auch von Dr. Schweitzer. Wenn er zum Beispiel lebendige Krankheitserreger unter seinem Labormikroskop ausmachen kann, bekämpft er sie und tötet damit – wenn auch sehr primitive – Lebewesen. Im Übrigen besitzt er ein Gewehr, mit dem er Schlangen schießt. Die meiste Zeit seines Lebens ist er nicht einmal Vegetarier gewesen. Stellen wir uns die Sache also nicht zu idyllisch vor.

Albert Schweitzers Ethik ist nicht naiv, sondern weiß, dass es notwendig sein kann zu töten. Aber damit lädt man Schuld auf sich. Und wo immer es möglich ist, ist es zu vermeiden. Es ist gut, dass es Menschen gibt, die alles Leben in ihr weites Herz schließen. Sie erinnern uns daran, dass die Zeit der Gedankenlosigkeit im Umgang mit den Mitgeschöpfen endgültig vorbei ist. Und auch wenn es kompliziert bleibt, mir persönlich hilft Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor dem Leben“ im Umgang mit der Schöpfung ein gutes Stück weiter.

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