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Gott will bei mir zuhause sein!
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Gott will bei mir zuhause sein!

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

Es gehört zu meinem Beruf als Seelsorgerin, Trauerfeiern zu halten und Menschen zu beerdigen. Häufig habe ich diese Menschen gekannt, manchmal auch nicht.

Und es gibt da in der Trauerzeremonie diesen denkwürdigen Moment am offenen Grab oder bei der Urne, der mich immer wieder beschäftigt: Nachdem noch ein letztes Mal Weihwasser in das Grab gespritzt worden ist, um an die Taufe zu erinnern, gibt es da einen Spruch, zu dem eigentlich der Weihrauch gehört: „Dein Leib war Gottes Tempel, jetzt schenke Gott dir ewige Freude“.

Dein Leib war Gottes Tempel – was für eine Behauptung, oder auch: was für eine Zusage! Ich glaube, oft wird dieser Satz weg gelassen, bestimmt auch deshalb, weil, zumindest in den großen Städten, kein Weihrauch mehr verwandt wird bei den Beerdigungen. Möglicherweise auch, weil es so befremdlich und fast verstörend klingt: dein Leib war Gottes Tempel – ach ja? Ist das so?

Auch ich scheue mich manchmal, das zu sagen. Dann denke ich: Das ist großartig, aber wieso hat das denn keiner vorher gesagt, erst jetzt, wenn es eigentlich zu spät ist? Warum sagen wir uns denn nicht gegenseitig: Hej, bei dir will Gott zuhause sein, in deinem Leib, in deinem Leben, in dem, was du bist, was du machst, was dir wichtig ist?

Du bist so kostbar, dass Gott direkt bei dir einziehen möchte! Das würde die Sicht aufs Leben doch entscheidend verändern. Ich glaube, ich selbst würde auch erst einmal stutzen, wenn mir das jemand zusagen würde und ungläubig fragen, „Meinst du echt?“ Vor allem in schwierigen Zeiten, wenn mein Leben nicht so verläuft, wie ich es mir wünsche, wenn ich damit hadere, dann wäre es für mich wichtig, wenn mich jemand auf diesen so speziellen „Mitbewohner“ erinnert.

Meister Eckart, ein Dominikanermönch und Mystiker, der im 13. Jahrhundert lebte und mit seinen Gedanken die Menschen erstaunte und oft genug für seine Predigten in Schwierigkeiten geriet, sagte einmal: „Du brauchst Gott nicht zu suchen. Er ist nicht ferner als vor der Tür deines Herzens; da steht Er und wartet und harrt, dass Er dich bereit findet, dass du Ihm auftust und Ihn einlässt.“ Das ist eine schöne Vorstellung, Gott, der bei mir anklopft und dem ich nur die Türe öffnen muss.

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