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Zwischenzeiten leben
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Zwischenzeiten leben

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Stellvertretender Pressesprecher des katholischen Bistums Mainz
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Wir haben zusammen ein Büro geteilt. Ich saß an dem einen Schreibtisch, er mir gegenüber. Und fast jedes Jahr um dieselbe Zeit ist mein Arbeitskollege meist ziemlich mäßig gelaunt gewesen. Kurz angebunden und auch ein wenig reizbar. Das war immer im Januar und im Februar. Diese Monate hat er nicht gemocht. Das war nicht seine Zeit. Grau kamen ihm die Städte vor, wenn die bunten Weihnachtsdekorationen abgebaut waren. Braun und trist die Natur. Dazu das kalte Wetter. „Ich mag diese Zeit nicht, sie macht mich depressiv“, hat er einmal gesagt. Er hat es kaum erwarten können, dass endlich der Frühling anbrach.

Ich habe das damals immer ein bisschen abgetan. „Es ist halt Winter“, habe ich gedacht. Aber mittlerweile kann ich es besser nachvollziehen, wie er sich gefühlt hat. Denn auch für mich sind die Wochen zwischen Weihnachten und dem ersten Frühling irgendwie anders. Ich empfinde sie nicht ganz so negativ wie mein Arbeitskollege. Und auch das Winterwetter stört mich nicht. Aber diese Wochen im Januar und Februar: Sie sind für mich eine Zwischenzeit.

Da ist auf der einen Seite der Dezember mit Advent, Weihnachten und Jahreswechsel. Da sind auf der anderen Seite der erste Frühling und Ostern, dazu Fastnacht und die Fastenzeit. Das sind die Zeiten im Jahr, die für meinen Glauben sehr wichtig sind. Da feiere ich die Geburt von Jesus Christus, später dann seinen Tod und seine Auferstehung. Zeiten, die mein Leben und auch das meiner Familie ganz besonders prägen. Und dann gibt es die Wochen dazwischen. Wochen ohne besondere Ereignisse. In denen der Alltag das Leben bestimmt: Arbeit, Schule, Haushalt. Wochen, bei denen ich mich später im Jahr oft frage: Was hatte ich da eigentlich gemacht? Es ist eben eine Zwischenzeit.

Zwischenzeiten. Es ist gut, dass es sie gibt. Zeiten, in denen eben nicht viel passiert. Zeiten, in denen man – wie man so sagt – runterkommen kann. Und in denen es mir manchmal ein bisschen langweilig ist. Vielleicht auch kalt, trist und grau. So wie in diesen Tagen im Februar. Aber ich denke: Ein Leben kann nicht nur aus Höhepunkten und aus Hoch-Zeiten bestehen. Es braucht auch den Übergang, den Alltag. Dann kann ich die besonderen Tage umso mehr genießen.

Joseph von Eichendorff hat es in seinem Gedicht „Winternacht“ einmal so ausgedrückt: „Verschneit liegt rings die ganze Welt, ich hab‘ nichts, was mich freuet, verlassen steht der Baum im Feld, hat längst sein Laub verstreuet. Der Wind nur geht bei stiller Nacht und rüttelt an dem Baume, da rührt er seinen Wipfel sacht und redet wie im Traume. Er träumt von künft’ger Frühlingszeit, von Grün und Quellenrauschen, wo er im neuen Blütenkleid zu Gottes Lob wird rauschen.“

Wir haben zusammen ein Büro geteilt. Ich saß an dem einen Schreibtisch, er mir gegenüber. Und fast jedes Jahr um dieselbe Zeit ist mein Arbeitskollege meist ziemlich mäßig gelaunt gewesen. Kurz angebunden und auch ein wenig reizbar. Das war immer im Januar und im Februar. Diese Monate hat er nicht gemocht. Das war nicht seine Zeit. Grau kamen ihm die Städte vor, wenn die bunten Weihnachtsdekorationen abgebaut waren. Braun und trist die Natur. Dazu das kalte Wetter. „Ich mag diese Zeit nicht, sie macht mich depressiv“, hat er einmal gesagt. Er hat es kaum erwarten können, dass endlich der Frühling anbrach.

Ich habe das damals immer ein bisschen abgetan. „Es ist halt Winter“, habe ich gedacht. Aber mittlerweile kann ich es besser nachvollziehen, wie er sich gefühlt hat. Denn auch für mich sind die Wochen zwischen Weihnachten und dem ersten Frühling irgendwie anders. Ich empfinde sie nicht ganz so negativ wie mein Arbeitskollege. Und auch das Winterwetter stört mich nicht. Aber diese Wochen im Januar und Februar: Sie sind für mich eine Zwischenzeit.

Da ist auf der einen Seite der Dezember mit Advent, Weihnachten und Jahreswechsel. Da sind auf der anderen Seite der erste Frühling und Ostern, dazu Fastnacht und die Fastenzeit. Das sind die Zeiten im Jahr, die für meinen Glauben sehr wichtig sind. Da feiere ich die Geburt von Jesus Christus, später dann seinen Tod und seine Auferstehung. Zeiten, die mein Leben und auch das meiner Familie ganz besonders prägen. Und dann gibt es die Wochen dazwischen. Wochen ohne besondere Ereignisse. In denen der Alltag das Leben bestimmt: Arbeit, Schule, Haushalt. Wochen, bei denen ich mich später im Jahr oft frage: Was hatte ich da eigentlich gemacht? Es ist eben eine Zwischenzeit.

Zwischenzeiten. Es ist gut, dass es sie gibt. Zeiten, in denen eben nicht viel passiert. Zeiten, in denen man – wie man so sagt – runterkommen kann. Und in denen es mir manchmal ein bisschen langweilig ist. Vielleicht auch kalt, trist und grau. So wie in diesen Tagen im Februar. Aber ich denke: Ein Leben kann nicht nur aus Höhepunkten und aus Hoch-Zeiten bestehen. Es braucht auch den Übergang, den Alltag. Dann kann ich die besonderen Tage umso mehr genießen.

Joseph von Eichendorff hat es in seinem Gedicht „Winternacht“ einmal so ausgedrückt: „Verschneit liegt rings die ganze Welt, ich hab‘ nichts, was mich freuet, verlassen steht der Baum im Feld, hat längst sein Laub verstreuet. Der Wind nur geht bei stiller Nacht und rüttelt an dem Baume, da rührt er seinen Wipfel sacht und redet wie im Traume. Er träumt von künft’ger Frühlingszeit, von Grün und Quellenrauschen, wo er im neuen Blütenkleid zu Gottes Lob wird rauschen.“

 

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