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Wunderbar geborgen sein
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Wunderbar geborgen sein

Marcus C. Leitschuh
Ein Beitrag von

Marcus C. Leitschuh,

Katholischer Religionslehrer und Autor, Kassel
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Bevor Pfarrer Dietrich Bonhoeffer im Jahr 1945 im KZ Flossenbürg wegen seines Engagements gegen Hitlers Diktatur ermordet wurde, schrieb er an seine Verlobte zum Jahreswechsel ein Gedicht. Er nannte es „Von guten Mächten“. Der damals gerade mal 39jährige Bonhoeffer schreibt darin auch die Zeile: „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar. So will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“ Auch heute kann der Text noch Trost und Hoffnung spenden, wenn auch in ganz anderem Zusammenhang. Deshalb: Szenenwechsel. Der amerikanische Soldat Chris Harris erfährt während seines Einsatzes in Afghanistan davon, dass seine Frau schwanger ist. Doch nur eine Woche später stirbt Chris Harris bei einem Einsatz. Aus. Ende. Er wollte Frieden schaffen und sichern und wurde Opfer des Terrors. Aus. Ende. Aber 20 seiner Kameraden leisten in Afghanistan einen Eid: Sie wollen ein Leben lang für das noch ungeborene Kind ihres Kameraden da sein. Auch wenn die kleine Halbwaise nie ihren Vater kennenlernen wird, sie soll doch seine Freunde kennenlernen, durch sie von ihrem Vater hören und ein Stück von der Liebe erfahren, die er ihr nicht mehr schenken kann. Zehn Wochen nach ihrer Geburt gibt es dafür eine Geste: Alle Kameraden versammeln sich bei dem Mädchen und legen die kleine Michelle in ihre offenen Hände. So wird Michelle gehalten und beschützt von 40 Händen, die sie zärtlich und sicher zugleich tragen. Natürlich kann man sagen: Typisch amerikanisch! Aber dennoch mag ich diese Szene aus dem Leben des jungen Mädchens. Die Begebenheit zeigt auf eindrucksvolle Weise, was es bedeuten kann, von guten Mächten ganz konkret und handfest geborgen zu sein. Für Dietrich Bonhoeffer, den Schöpfer dieser Zeilen, war Gott die Quelle der Geborgenheit. Ich glaube, dass Gottes Geborgenheit durch unsere Mitmenschen ganz konkret wird. Jeder Mensch kann durch kleine Gesten und Taten anderen Geborgenheit schenken. Zumindest kann man es versuchen.

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