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Wunder
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Wunder

Christoph Wildfang
Ein Beitrag von

Christoph Wildfang,

Evangelischer Pfarrer, Arnoldshain

Vor einer ganzen Weile habe ich einen Mann im Krankenhaus besucht. Es ginge zu Ende, hieß es.  Ich packe meine Bibel ein. Irgendwie ist mir mulmig. Werde ich das Richtige sagen können. Ich klopfe, trete ein. Da liegt er. Er sieht bleich aus. Infusionen, die Urinflasche am Bettrand. Ich fische mir einen Stuhl. Manchmal ist es gut miteinander zu schweigen. Wir schauen uns an

„Ich möchte noch nicht gehen“, sagt er. „Ich habe Angst.“ Und spart sich restliche Kraft zum Atmen. Ich frage, ob ich für ihn beten darf. Er nickt mit den Augen. Ich erzähle ihm die Jesusgeschichte von der Sturmstillung. Die Jünger und Jesus auf dem See. Sturm. Angst. Vorm Untergang. Ein Wort von Jesus und der Sturm legt sich. Dann sagt er seinen Freunden: „Warum seid ihr so ängstlich. Habt ihr kein Vertrauen?“ Mehr sagt Jesus nicht. Ich sage im Krankenzimmer auch erst mal nichts. Ich spüre mein eigenes Herz schlagen. Der mir gegenüber verzieht den Mund ein ganz klein wenig zu einem Lächeln. „Doch. Ich vertraue“, sagt er leise.

Ich lege alles, was ich in diesem Moment fühle in ein Gebet. Bitte Gott um ein Wunder. Das möchte ich glauben. Und ich spüre, der da im Bett liegt mit abnehmender Kraft, der auch. Es ist nicht einfach, an ein Wunder zu glauben. Aber ich finde, diese Geschichte von der Sturmstillung, die meint auch uns in diesem Krankenzimmer. Es gibt Schiffbruch im Leben, Angst, es steht einem das Wasser bis zum Hals. Verzweifelt suchen wir nach Kraft. Sind wir allein mit unserer Angst?

Und dann das Wunder, das ich nicht erklären kann. Da war doch kein Boden unter den Füßen, da war nur noch ein Funken Hoffnung. Doch plötzlich gab es eine Kraft, mit der man nicht mehr gerechnet hatte. Für den Kranken war es noch ein langer Weg. Hoffnung kam und verflog fast wieder. Heute treffe ich ihn oft, fröhlich winkend von seinem Fahrrad. Gut, wenn auf unserer Fahrt durchs Leben einer mitfährt. Wunder erkenne ich dann erst viel später.
 

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