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Wo die Liebe wohnt, da wohnt auch Gott
dpa/Sebastian Willnow

Wo die Liebe wohnt, da wohnt auch Gott

Dr. Annegreth Schilling
Ein Beitrag von

Dr. Annegreth Schilling,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt
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Ob sie ihn wirklich heiraten soll? Katharina von Bora fragt sich das. Eine Frau, die berühmt werden sollte an der Seite des Reformators Martin Luther.
Die Frage, sich auf eine Liebe ganz und gar einzulassen oder nicht, diese Frage stellt sich für viele auch heute. Katharina hat damals eigentlich gedacht, dass sie nie unter die Haube kommt. So hatte sie es Gott versprochen. Sie erinnert sich an einen alten Gesang aus dem Kloster:

Ubi caritas et amor, deus ibi est. Wo die Liebe wohnt, da wohnt auch Gott.

Katharina hat Schmetterlinge im Bauch, sie kriegt kaum einen Bissen runter, wenn sie allein seinen Namen hört. Martin.

Genauso sitzt Martin an seinem Schreibtisch. Ob er sie wirklich heiraten soll? Eine Kerze ist angezündet, vor ihm liegt ein weißes Blatt. Er kann keinen klaren Gedanken fassen. Sein Freund Philipp ist entschieden dagegen, dass er Katharina heiratet. Eine entflohene Nonne! Die Ehe als Aushängeschild der Reformation, dem Papst und dem Teufel zum Trotz? Nein, es ist mehr als das.

Ubi caritas et amor, deus ibi est. Wo die Liebe wohnt, da wohnt auch Gott.

Martin lächelt, wenn er an Katharina denkt. Sie ist klug, stark und schön. Katharina.

Sie haben wirklich geheiratet. Gegen alle Widerstände. Die inneren und die äußeren. Katharina von Bora und Martin Luther haben sich am 13. Juni 1525 das Ja-Wort gegeben. Der Reformator und Freund Luthers, Johannes Bugenhagen, hat die beiden in der Stadtkirche Wittenberg getraut. Ganz still und leise; nur wenige Zeugen waren dabei.

Ob sie wirklich heiraten sollen, diese Frage kennen viele Liebespaare. Gegen alle Widerstände. Die inneren und die äußeren. Ich denke an ein Paar mit großem Altersunterschied. Immerhin ist er 23 Jahre älter als sie. Die Frau ist Ende 30 und in einem Wirtschaftsunternehmen beruflich erfolgreich. Heiraten und eine Familie gründen, ja, das möchte sie gern. Und zwar mit ihm! Doch für ihn ist das schwieriger: Nicht, weil seine Freunde mit Anfang 60 jetzt langsam alle Enkel bekommen. Dann könnten sie ja wenigstens zusammen den Kinderwagen schieben. Er ist unsicher, ob er sich das in seinem Alter noch einmal zutrauen soll. Die erste Ehe ist nach 25 Jahren geschieden worden. Und jetzt, so kurz vor dem Ruhestand, nochmal auf Start zurückgehen?

Geschichten wie diese gibt es viele. Wo sich zwei Menschen lieben, aber nicht wissen, ob sie sich auf ein Leben zu zweit oder mit Kindern wirklich einlassen können. Es gibt auch Paare, die sich gerne das Ja-Wort geben möchten, aber auf großen Widerstand in ihren Familien oder im Freundeskreis stoßen.

Ubi caritas et amor, deus ibi est. Wo die Liebe wohnt, da wohnt auch Gott.

Für Martin Luther und Katharina von Bora war klar: Wir heiraten – und zwar nicht mit der rosa-roten Brille von frisch Verliebten. Das war im 16. Jahrhundert ohnehin selten üblich. Wir heiraten auch nicht nur aus Protest vor dem katholischen Zölibat. Der ehemalige Mönch und die entflohene Nonne haben geheiratet im Vertrauen darauf, dass Gott sie in ihrem Leben zu zweit und als Familie begleitet. Gegen alle Widerstände, die inneren und die äußeren, wussten sie: Gott ist mit uns! Denn wo die Liebe wohnt, wo Menschen sich umeinander und füreinander sorgen, da wohnt auch Gott.

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