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Sieh mich an!
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Sieh mich an!

Maike Westhelle
Ein Beitrag von

Maike Westhelle,

Evangelische Pfarrerin, Studienleitung am Studienhaus Marburg
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Lena und Ben wollen nicht in die Stadt fahren.  Schon zum dritten Mal hat die Mutter nach ihnen gerufen. Sie sollen doch ins Schultheater: Ihr großer Bruder Tom hat seinen ersten großen Auftritt. Die Mutter bleibt stur: Ihr kommt mit! Also müssen die bockigen Geschwister sich auf den Weg machen. Gerade noch rechtzeitig erreichen sie die Aula der Schule, gleich geht das Stück los.

Es wird dunkel und still. Die Scheinwerfer beleuchten die Bühne. Und dann tritt  Tom ins Licht und eröffnet das Stück. Seine beiden kleinen Geschwister Lena und Ben werden mucksmäuschenstill und starren ihn gespannt an. Das ganze Stück hindurch sind sie wie gebannt. Nur ihre Augen und Blicke huschen auf der Bühne hin und her.

Ihr großer Bruder Tom nimmt die beiden zuerst nur aus den Augenwinkeln wahr. Aber dann entdeckt er sie im Publikum und guckt zu ihnen rüber. Er strahlt dabei über das ganze Gesicht und wird noch ein Stück größer. Sie sind doch gekommen, die Kleinen. Sie sehen ihm zu, sie nehmen Anteil an seinem großen Auftritt.

Nach dem Stück sind Lena und Ben ganz voll von den Eindrücken. Stolz fallen sie ihrem Bruder um den Hals und erzählen begeistert, was er alles gemacht hat. Sie haben ihn auf der Bühne gesehen und er sie im Publikum. Diese Blicke haben sie gegenseitig strahlen lassen und ein Stückchen größer gemacht.

Solche Blicke brauchen wir! Wir leben auf in diesem Blick. Es tut gut, gesehen zu werden – wenn es ein liebevoller Blick ist. Und wir leben auf, wenn wir selber andere so ansehen.
In der Bibel steht an einer Stelle: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ So stelle ich mir Gottes Blick vor. Er lässt Menschen strahlen. Er lässt sie ihre Größe spüren.

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