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Sich engagieren in der katholischen Kirche – trotz Missbrauch und Machtspielen
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Sich engagieren in der katholischen Kirche – trotz Missbrauch und Machtspielen

Pia Arnold-Rammé
Ein Beitrag von

Pia Arnold-Rammé,

Katholische Pastoralreferentin, Referentin für Sozialpastoral, Frankfurt
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„356 Seiten erschüttern die katholische Kirche“, „Wie der Vatikan einen Jesuitenpater abstraft“, „Vatikan löst große Empörung aus“ - das ist nur eine kleine Auswahl von Überschriften der letzten Wochen. Als Mitglied oder Mitarbeiterin in der katholischen Kirche hat man es aktuell nicht leicht. Viele fragen: Wie kannst Du Dich in dieser Kirche überhaupt noch engagieren? Und natürlich frag ich mich das manchmal auch selbst.

Ich bin wütend, vor allem über den jahrelang praktizierten Umgang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche: Täter wurden gedeckt, durften weiterarbeiten, Opfer wurden nicht ernst genommen. Mitarbeiter, die solche oder andere Probleme wie den Umgang mit Homosexualität beim Namen nennen, wie z.B. der Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig, werden bestraft. Das darf doch alles nicht wahr sein.

Und gleichzeitig erlebe ich in meiner alltäglichen Arbeit: Katholiken engagieren sich für die Gesellschaft, kümmern sich um Alte und Kinder, betreuen Obdachlose, helfen Flüchtlingen beim Ankommen. Und ganz viele machen das auch noch ohne Bezahlung, ehrenamtlich. Gerade in Frankfurt gibt es ganz viel soziales Engagement, nicht nur von der Caritas, auch von Gemeinden vor Ort, von katholischen Vereinen wie den Maltesern oder der Kolpingjugend.

All das wird kaum noch wahrgenommen, wenn die schlechten Meldungen überwiegen. Auch das macht mich wütend: All diese Engagierten werden im Regen stehen gelassen. Dabei machen sie eigentlich genau das, was Jesus getan hat: Sie setzen sich ein für die, die in der Gesellschaft kein Ansehen haben, die am Rande stehen. Sie kümmern sich um Menschen, die viel zu erzählen, aber oft nichts zu sagen haben.

Viele meiner Kollegen und Kolleginnen in Frankfurt handeln so und sind genauso wütend wie ich, über den Umgang mit Missbrauch oder mit dem Jesuiten Ansgar Wucherpfennig. Ich stehe damit nicht allein. Und deshalb bleibe ich - auch wenn es mir manchmal schwerfällt.

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