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Plastiktüten und anderes
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Plastiktüten und anderes

Dr. Joachim Schmidt
Ein Beitrag von

Dr. Joachim Schmidt,

Evangelischer Pfarrer, Darmstadt

Schon komisch: Seit Jahren waren wir es gewöhnt, beim Bäcker, beim Metzger oder manchmal sogar im Supermarkt kostenlose Plastiktüten zu bekommen. So ziemlich alle wussten, dass diese Tüten für die Umwelt richtiger Mist sind, und doch nahm sie fast jeder selbstverständlich mit. War ja umsonst. Seit ein paar Wochen kosten die Dinger fast überall Geld. Zehn Cent oder zwanzig. Und jetzt kann man erleben, wie viele Leute plötzlich eine Tüte mitbringen oder sogar die gute, alte Einkaufstasche wieder zu Ehren kommt. Oft gibt es sogar ein verständnisvolles Nicken, wenn die Verkäuferin bedauernd darauf hinweist, dass sie für die Tüte kassieren muss: Lassen Sie mal! Klar, die Umwelt!

Kein Aufstand, Sinneswandel zum Guten für 20 Cent. Schon komisch. Nichts hat sich geändert, außer dass Gedankenlosigkeit ein bisschen Geld kostet. Und schon muss die Plastiktüte gar nicht mehr sein. Als die großen Supermärkte vor dreißig Jahren auf der grünen Wiese entstanden, ließen nicht wenige Zeitgenossen ihre Einkaufswagen einfach kreuz und quer auf den Parkplätzen stehen. Irgendwann hatte man bei Aldi und Co die Faxen dicke, kettete die Wagen an und gab sie nur gegen eine Pfandgebühr von damals einer D-Mark frei. Und siehe da: Fast über Nacht brachte jeder seinen Wagen brav zurück und kettete ihn wieder an, denn alle wollten ihre Mark wieder haben. Das ist so geblieben.

Mit den Plastiktüten ist das jetzt so ähnlich. Ein großer Philosoph hat mal gesagt: „Nichts ist so gerecht verteilt, wie der Verstand“. Und er fuhr fort: „Jeder ist überzeugt davon, dass er genug davon habe.“ Und jetzt frage ich mich ratlos, warum eigentlich schon 20 Cent reichen, dass wir uns ein kleines bisschen weniger gedankenlos verhalten. Eine richtige Antwort darauf habe ich nicht.

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