Ihr Suchbegriff
Beitrag anhören:
Optimismus oder christliche Glaubensstärke
Bildquelle Pixabay

Optimismus oder christliche Glaubensstärke

Carmen Jelinek
Ein Beitrag von

Carmen Jelinek,

Evangelische Dekanin, Kirchenkreis Kaufungen
Beitrag anhören:

Die Chancen, als Optimist geboren zu werden, stehen gut, las ich kürzlich in einer Zeitung. 80 Prozent der Menschen sind allerdings unrealistisch optimistisch.
Nehmen wir an, wir gehören zu den Optimisten, dann tendieren wir zum Schönmalen und sehen die Zukunft rosiger als sie sein dürfte. Wir überschätzen die Chancen, berühmt zu werden, über die Maßen talentierte Kinder zu bekommen oder ein biblisches Alter zu erreichen.
Wir unterschätzen die Risiken, den Job zu verlieren, uns vom Partner zu trennen, an Krebs zu erkranken.
Selbst Menschen, die es eigentlich besser wissen müssten, haben solch ein Bild: Z.B. Scheidungsanwälte, die wissen, dass jede dritte Ehe scheitert, glauben an die ewige Liebe.
Psychologen sagen, dass das menschliche Gehirn auf Optimismus programmiert ist. Es nimmt positive Nachrichten stärker wahr und blendet negative weitgehend aus. Das habe den Menschen vor dem Aussterben bewahrt. Obwohl er es besser weiß, blendet er aus, dass am Ende des Lebens Krankheit, Verfall und Tod auf ihn warten.
Tatsächlich ist es so, wer weniger um die Zukunft bangt, leidet seltener unter Stress und schont Herz und Nerven. Und lebt dadurch vielleicht tatsächlich länger.
Unter den Optimisten gibt es auch Unterschiede. Stefan, ein Freund von mir, will viel erreichen, und er schafft es auch. Er hat eine Energie, die mich immer wieder staunen lässt. Er stellt Dinge auf die Beine, bei denen andere vor lauter Bedenken und Zögern längst aufgegeben hätten. Er geht an Niederlagen und Misserfolgen nicht kaputt. Ich erlebe ihn wie ein Stehaufmännchen, das sich immer wieder von Abstürzen erholt.
Richard, ein anderer Freund, bewundere ich wegen seiner Unbekümmertheit. Er ignoriert viele Risiken. Nach seiner Vorstellung hat er eine Lebenserwartung, die 20 Jahre höher ist als die Durchschnittserwartung. Er lebt gut, kümmert sich nicht um Risiken von Alkohol und Tabak, reichlichem Essen und Übergewicht.
Ich selbst liebäugle zwar manchmal mit Menschen, die vieles leicht nehmen, aber ich will weder in die Schublade der Optimisten noch der Pessimisten hinein gesteckt werden.

Ich wünsche mir eine realistische Weltsicht.
Ich halte es mit den Worten aus einem Psalm in der Bibel: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.“

Ich erlebe das so: Gott schenkt mir ein ruhiges Herz. Das brauche ich, besonders wenn es mal hoch hergeht.
Die Schrecken und Nöte in meiner kleinen Welt und in der großen Welt will ich weder ausblenden noch weichspülen oder schönreden. Aber mein Gottvertrauen, meine Verbindung zu Gott, gibt mir die Kraft und Zuversicht, um mit allen Erfahrungen zu leben. Gott ist meine Zuversicht und meine Stärke. Das lässt mich nicht aufhören zu glauben, zu hoffen und zu lieben.

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren