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Ohnmacht und Wirksamkeit
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Ohnmacht und Wirksamkeit

Simone Twents
Ein Beitrag von

Simone Twents,

Referentin für Glaubenskommunikation und Pastorale Innovation, Fulda
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„Hast du das nötig? Wofür der ganze Stress? Du wirst hier gebraucht, genügt das nicht?“ - Winfried, Mitte 40, bricht noch mal aus seinem Leben aus. – Auf irritierte Nachfragen seiner Freunde antwortet er: Er spüre einen Auftrag, sich noch mal zu riskieren, Sicherheiten hinter sich zu lassen, nicht sich selbst zu leben.
Winfried macht den Schritt an den point of no return. Er wird seine Heimat nie wiedersehen. Er geht richtig weit weg, in eine andere Kultur, in einen anderen Sprachraum, in eine Gesellschaft mit rauhen Sitten.
Am neuen Ort hat keiner auf ihn gewartet. Winfried muss seinen Platz finden. Er ist nicht der Typ, der kleine Brötchen backt – er hat Pioniergeist, will Dinge verändern, packt an, nutzt Chancen. Entsprechend hartnäckig ist er und bringt eine Menge in Bewegung. Trotzdem ist er vor Enttäuschungen und Niederlagen nicht gefeit. Er produziert eine Menge Widerstand. Er gerät in ein Netz von Intrigen, wird kaltgestellt, aufs Abstellgleis geschoben.
Mal ehrlich: würden Sie so etwas auf sich nehmen? Und wofür? Wenn Sie meinen, an Winfried würde dies alles nur so abperlen, dann irren Sie. Denn Jahre später schreibt er:
„Alles ist so mühsam, überall Leid, außen Kämpfe, innen Ängste. Die Arbeit, die ich leiste, scheint leider am meisten Ähnlichkeit zu haben mit einem Hund, der die Einbrecher kommen sieht und bellt, aber nicht gehört wird.“ Das wird Winfrieds Lebensgefühl. Eine Menge riskiert – und ohnmächtig, etwas zu bewegen.
Wahrscheinlich wissen Sie längst, von wem ich berichte: von Bonifatius. Noch über 1000 Jahre später nennt Wikipedia ihn „einen der bekanntesten Missionare und wichtigsten Kirchenreformer.“ „Von der katholischen Kirche als ‚Apostel der Deutschen‘ verehrt.“ Im Fuldaer Dom ist er begraben und hat vor 1275 Jahren quasi den Grundstein für die heutige Stadt Fulda gelegt.
Mich beeindruckt diese Kluft zwischen gefühlter Ohnmacht und tatsächlicher Wirkung. Wenn ich mich wirkungslos fühle - wenn ich etwas vorhabe, das mir aussichtslos erscheint - oder wenn ich mich zu klein fühle, dann will ich mich von Winfried inspirieren lassen. Was ich über meine Wirkung denke und was tatsächlich bei anderen ankommt, kann auseinanderklaffen. Es lohnt sich, dem inneren Auftrag zu folgen.

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