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Kleines Heil im großen Unheil
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Kleines Heil im großen Unheil

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Manchmal ist es leicht, Freund zu sein. Oder Freundin. Sogar im Nahen Osten, wie eine Zeitung vor drei Tagen erzählt (HNA/AP 9.6.2017). Also da, wo man denkt: Jeder gegen jeden. Nein, nicht immer. Nach einem Unfall mit dem Auto bleibt ein Baby unversehrt. Aber unversorgt. Vater und Mutter sind tot oder verletzt. Das Baby der Palästinenser kommt in ein jüdisches Krankenhaus. Die Trinkflasche will es nicht. Weil es nur Stillen gewohnt ist. Was nun? Es sind nur jüdische Frauen da. Das Baby aber ist von Palästinensern. Fast immer haben die Krieg, mindestens mit Worten. Kommt jetzt nicht infrage, sagt eine jüdische Krankenschwester. Und stillt das Kind. Ohne zu fragen. Sie selbst ist gerade Mutter geworden. Geht doch, möchte man sagen. Und freut sich über das kleine Heil im Unheil.        
Manchmal ist es einfach, Freund zu sein oder Freundin. Dann gilt keine Grenze der Welt mehr: Freund oder Feind, schwarz oder weiß, arm oder reich. Nichts davon. Not ist überall gleich. Freundschaft auch. Man sieht die Not und stellt sie ab. So einfach ist das.        
Hand reichen kann einfach sein. Wenn man nur will. Manche halten sie lieber zurück. Berauschen sich an ihrer Feindschaft. Basteln Bomben und töten Unschuldige. Schimpfen im Internet über alles, was ihnen nicht passt. Bauen Zäune und Mauern in jeden Himmel. Wir sind gut, die anderen böse. Glaubt man. Und glaubt falsch. Weil man so eng wird und kleinkariert. Weil die eigene Welt, immer schlichter und banaler wird. Die Welt ist aber nicht schlicht. Man kommt ihr nicht mit Kleingeist bei. Aber mit Hand reichen. Wie die jüdische Krankenschwester. Sie fragt nicht, sie ist da. Und stillt das Kind. Tut einfach, was Gott will. Ihr Glaube ist Lindern von Not. Weil die andere ein Mensch ist. Wie sie.

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